Israel Institute of Biblical Studies

Katholiken für Israel ist ein Apostolat, das dem Magisterium treu bleibt — dem lebendigen Lehramt der Kirche, dem Christus die verbindliche Auslegung des Wortes Gottes anvertraut hat (DV 10). Die offizielle Lehre der katholischen Kirche — besonders Nostra Aetate §4 und der Katechismus der Katholischen Kirche — bildet daher die Grundlage unserer Überzeugungen zu Israel und zum jüdischen Volk.

Die Kirche und das jüdische Volk nach Nostra Aetate

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1965 legte die katholische Kirche in Nostra Aetate §4 eine wegweisende, positive theologische Sicht auf Israel und das jüdische Volk dar. Diese Erklärung bekräftigt:

  • das bleibende geistliche Band, das Christen mit dem jüdischen Volk verbindet.
  • dass die Kirche das Alte Testament durch Israel empfangen hat, das von Gott zuerst erwählte Volk.
  • dass die Kirche „genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums“ — Israel —, in den die Heiden eingepfropft worden sind (Röm 11,17–24).
  • dass Jesus, der Messias, durch sein Kreuz Juden und Heiden versöhnt hat, indem er in sich einen neuen Menschen aus beiden schuf (Eph 2,14–16).
  • dass dem jüdischen Volk „die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesschlüsse, das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen“ gehören; ihm gehören die Väter, und aus ihm stammt der Messias dem Fleisch nach (Röm 9,4–5).
  • dass die Apostel und die meisten der ersten Jünger Juden waren, verwurzelt im Bundesleben Israels.
  • dass das jüdische Volk auch dort, wo das Evangelium nicht angenommen wurde, um der Väter willen von Gott geliebt bleibt, denn „unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt“ (Röm 11,28–29).
  • dass Juden und Christen nach Gottes Vorsehung dazu bestimmt sind, den Herrn gemeinsam mit einer Stimme anzubeten, in Erwartung der vollkommenen Versöhnung.
  • die Bedeutung gegenseitiger Achtung und gegenseitigen Verständnisses sowie des brüderlichen Dialogs, die durch gemeinsames Studium und Begegnung wachsen.
  • dass zwar bestimmte jüdische Autoritäten auf den Tod Jesu drängten, die Schuld an seinem Leiden aber weder allen damals lebenden Juden noch den Juden von heute zugeschrieben werden darf.
  • dass Juden niemals als von Gott verworfen oder verflucht dargestellt werden dürfen, da solche Behauptungen sowohl der Heiligen Schrift als auch der Lehre der Kirche widersprechen. Deshalb beklagt die Kirche Hass, Verfolgungen und alle Erscheinungsformen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen Juden richten.
  • dass die Kirche weiterhin den Auftrag hat, das Kreuz Christi zu verkünden als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnade.

Offene Fragen

Nostra Aetate bietet eine unverzichtbare Grundlage für eine erneuerte katholische Theologie Israels, beschränkt sich dabei aber bewusst auf deren grundlegende Elemente. Viele wichtige Fragen bleiben für eine vertiefte theologische Reflexion und pastorale Unterscheidung offen. Dazu gehören:

  • Wenn „Gnade und Berufung, die Gott gewährt“, unwiderruflich sind (Röm 11,29) und die Mehrheit des jüdischen Volkes das Evangelium noch nicht angenommen hat, welche Rolle spielt Israel nach dem Kommen Jesu, des Messias, weiterhin in Gottes Heilsplan? Wie soll die Kirche Israels Berufung in der Heilsgeschichte im Licht des Neuen Testaments und des vom Lehramt bekräftigten bleibenden Bundes verstehen?
  • Da Christi Auftrag, das Evangelium „allen Geschöpfen“ zu verkünden (Mk 16,15), uneingeschränkt fortbesteht und das Evangelium „eine Kraft Gottes“ ist, „die jeden rettet, der glaubt, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen“ (Röm 1,16), wie soll die Kirche ihre missionarische Berufung gegenüber dem jüdischen Volk mit Achtung, Feingefühl und Liebe zum Ausdruck bringen? Wie sieht heute ein authentisches Glaubenszeugnis aus, besonders angesichts des Versagens in der Vergangenheit und der ausdrücklichen Ablehnung von Zwang, manipulativem Proselytismus und Verachtung durch die Kirche?
  • Wie können Juden, die Jesus, dem Messias, begegnen und in die Fülle der Wahrheit in der katholischen Kirche eintreten, ihre jüdische Identität als katholische Juden weiterhin leben und zum Ausdruck bringen? Welche Formen geistlicher, kultureller und liturgischer Kontinuität sind innerhalb der Einheit der Kirche angemessen und lebensfördernd?
  • Wie sollen Katholiken jüdischer Herkunft mit der Tora und der Einhaltung ihrer Gebote umgehen? Was ist der angemessene theologische und pastorale Rahmen, um zu unterscheiden, welche jüdischen Praktiken als Ausdruck ihrer Identität, ihres Erbes und ihrer Treue zu Gottes Bundesgaben beibehalten werden können?
  • Wenn Gottes Gaben und Israels Berufung unwiderruflich sind und das Land Israel zu den zentralen Gaben des Bundes gehört — eine Gabe, die im Neuen Testament nie widerrufen wurde —, welche Bedeutung hat dieses Land heute? Wie sollen Katholiken die neuzeitliche Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land seiner Vorfahren im größeren Horizont der göttlichen Vorsehung und der Heilsgeschichte verstehen?

Glaubenserklärung

Im Licht von Nostra Aetate und der oben genannten offenen Fragen legt Katholiken für Israel die folgende Glaubenserklärung vor:

Zum jüdischen Volk:

Was wir bekräftigen und wofür wir eintreten:

  • Wir bekennen uns zu einer bedingungslosen Liebe zum jüdischen Volk, unseren „älteren Brüdern im Glauben“, und erkennen das einzigartige Band an, das die Kirche mit Israel verbindet.
  • Wir stellen uns gegen Antisemitismus in all seinen Formen, einschließlich seiner heutigen Erscheinungsformen wie eines ideologischen Antizionismus, der die Legitimität des jüdischen Volkes als Volk oder seine Verbindung zum Land Israel bestreitet.
  • Wir rufen Christen zur Umkehr auf angesichts aller vergangenen und gegenwärtigen antisemitischen Taten, Worte und Einstellungen, die dem Evangelium und der Würde der menschlichen Person widersprechen.
  • Wir bekräftigen die unwiderrufliche und bleibende Gültigkeit des Bundes Gottes mit dem jüdischen Volk und lehnen die Irrlehre der Ersatztheologie (Supersessionismus) ab, die behauptet, die Kirche habe Israel als Gottes auserwähltes Volk verdrängt.
  • Wir bekräftigen den Glauben der Kirche, dass Israels Berufung, Bestimmung und Heil nur in der Einheit mit Jesus, dem Messias, ihre Erfüllung finden, dem König der Juden, der zuerst „zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“ gesandt wurde (Mt 15,24) und über Jerusalems Ablehnung weinte (Lk 19,41). Diese Einheit mit Christus gelangt innerhalb der katholischen Kirche zu ihrer Fülle.
  • Wir bekräftigen daher das Fortbestehen des von Gott eingesetzten Missionsauftrags der Kirche, das Evangelium des Heils „zuerst den Juden“ anzubieten, stets mit Ehrfurcht, Demut und Liebe.
  • Wir lehnen die Irrlehre der Zwei-Bünde-Theologie ab, nach der Juden durch den Alten Bund und die Einhaltung der Tora das Heil erlangen, während Heiden durch Christus gerettet werden. Zwar ist „die Tora heilig und das Gebot heilig, gerecht und gut“ (Röm 7,12), doch es bleibt wahr, dass „der Mensch nicht durch Werke der Tora [des Gesetzes] gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus […] denn durch Werke der Tora wird niemand gerecht […] denn käme die Gerechtigkeit durch die Tora, so wäre Christus vergeblich gestorben“ (Gal 2,16.21).
  • Wir bekräftigen, dass die katholische Kirche das „allgemeine Hilfsmittel des Heiles“ ist, durch das die Fülle der Heilsmittel zugänglich ist (UR 3). Daher können Kirche und Judentum nicht als zwei parallele Heilswege betrachtet werden, und die Kirche muss Christus als Erlöser für alle bezeugen (Hinweise für eine richtige Darstellung von Juden und Judentum, I, 7).
  • Wir bekräftigen die Notwendigkeit einer jüdisch-katholischen Gemeinschaft, in der Katholiken jüdischer Herkunft ein ganz und gar katholisches Leben führen und zugleich der Tora sowie dem kulturellen und religiösen Erbe Israels treu bleiben können. Dies steht in Kontinuität mit der ersten Gemeinschaft jüdischer Gläubiger, die alle „Eiferer für das Gesetz“ waren (Apg 21,20). Denn Jesus kam nicht, um das Gesetz oder die Propheten aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen (Mt 5,17–20).

Was wir ablehnen:

  • Wir täuschen keine Liebe zum jüdischen Volk oder Unterstützung für Israel vor, um verdeckt missionarische Ziele zu verfolgen.
  • Wir befürworten keinen respektlosen, manipulativen oder aggressiven Proselytismus gegenüber dem jüdischen Volk, da er sowohl der Nächstenliebe als auch der kirchlichen Lehre von der Religionsfreiheit widerspricht.

Zum Land und zum Volk Israel:

Was wir bekräftigen und wofür wir eintreten:

  • Wir bekräftigen, dass Gottes Verheißung des Landes Israel an die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs niemals widerrufen wurde, weder durch Jesus noch durch den Neuen Bund, und dass diese Verheißung auch heute theologische Bedeutung besitzt.
  • Wir bekräftigen, dass die neuzeitliche Rückkehr des jüdischen Volkes in das Land Israel prophetische Bedeutung besitzt und von Gottes Vorsehung geprägt ist. Daher treten wir für die theologische Plausibilität eines gemäßigten biblischen Zionismus ein, der mit dem katholischen Glauben vereinbar ist.
  • Wir bekräftigen, dass der moderne Staat Israel zwar ein säkulares politisches Gebilde ist, seine Wiedererrichtung aber als mögliche „Erstlingsfrucht“ oder als Anfangsstadium von Gottes fortdauerndem Erlösungswirken im Leben des jüdischen Volkes verstanden werden kann.
  • Wir bekräftigen das Recht des Staates Israel, seine Bürger zu verteidigen gegen Terrorakte und Gewalt. Zugleich bestehen wir darauf, dass diese Verteidigung mit sittlich gebotener Zurückhaltung und größter Sorgfalt erfolgt, um Schaden für unschuldige Zivilisten zu vermeiden.
  • Wir fördern Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit für alle, die heute im Heiligen Land leben, und erkennen die Würde jedes Menschen an, der nach Gottes Bild geschaffen ist.
  • Wir rufen alle Bewohner des Landes — Israelis und Palästinenser — zur Umkehr auf, damit sie sich von den schweren sittlichen Übeln abwenden, die beide Gesellschaften belasten: Hass und Gewalt, Korruption und Unehrlichkeit, Diskriminierung und Ungerechtigkeit, sexuelle Promiskuität, Prostitution, Pornografie, Abtreibung und Ideologien, die menschliche Sexualität und Familie entstellen. Sie sind gerufen, dem Wort des Herrn zu folgen: „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig“ (Lev 19,2).
  • Wir rufen alle Bewohner des Heiligen Landes — Juden, Christen und Muslime — dazu auf, das Evangelium Jesu, des Messias, anzunehmen, des Friedensfürsten, in dem allein Vergebung, Versöhnung mit Gott und dem Nächsten sowie ewiges Leben zu finden sind.
  • Wir rufen alle Christen im Heiligen Land zu größerer Treue, Einheit und einem stärkeren Glaubenszeugnis auf, indem sie das Evangelium Jesu, des Messias, mit Aufrichtigkeit und Liebe leben und verkünden.

Was wir ablehnen:

  • Wir betrachten den modernen Staat Israel in seiner gegenwärtigen politischen Form nicht als endgültige oder messianische Erfüllung.
  • Wir befürworten weder den Wiederaufbau des Tempels noch die Wiedereinführung von Tieropfern, die im ein für alle Mal dargebrachten Opfer Christi ihre Erfüllung gefunden haben.
  • Wir unterstützen keine apokalyptischen oder politischen Bewegungen, die die Sammlung des jüdischen Volkes in seinem Land fördern, um einen endzeitlichen Konflikt wie die Schlacht von Armageddon auszulösen.
  • Wir billigen nicht automatisch jede politische oder militärische Maßnahme der israelischen Regierung, denn kein irdischer Staat steht über der sittlichen Beurteilung.
  • Wir unterstützen keinerlei Form von Ungerechtigkeit oder Diskriminierung gegenüber Personen oder Gemeinschaften.
  • Wir hegen oder dulden keine antiarabischen oder antipalästinensischen Einstellungen, sondern bekräftigen die gleiche Würde aller Völker der Region.

Siehe auch: Warum Katholiken für Israel?


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