Der Messias im Tanach (dem Alten Testament)
im Licht der rabbinischen Schriften
Einführung
Wer ist der Messias Israels, und woran können wir ihn erkennen? Diese Fragen stehen im Zentrum des christlichen Glaubens. Der Rückgriff auf die Verheißungen des Alten Testaments ist der älteste apologetische Ansatz des Christentums. Jesus selbst wandte ihn an, als er seinen Jüngern und seinen Gegnern erklärte:
Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben. (Joh 5,46)
Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. (Lk 24,44)
Die Verfasser des Neuen Testaments folgten dem Beispiel ihres Meisters. Immer wieder griffen sie auf die Schriften Israels zurück, um zu zeigen, wie Jesus die Verheißungen Gottes an sein Volk erfüllt. Die Kirchenväter setzten diesen Ansatz fort, ebenso die christlichen Apologeten des Mittelalters bis in unsere Zeit.
Die Hoffnung auf den Messias ist im Judentum weiterhin von zentraler Bedeutung. Dennoch sind der Reichtum und die Tiefe der messianischen Verheißungen in der hebräischen Bibel heutigen Lesern nicht immer vertraut. Wenn Christen auf Texte wie Jes 53 verweisen und den dort beschriebenen leidenden Gottesknecht mit Jesus identifizieren, entgegnen jüdische Apologeten häufig, die Christen hätten die Worte des Tanach aus ihrem Zusammenhang gelöst und an sein Leben angepasst. Sie verstehen Jes 53 gewöhnlich als einen Text über Israel, den Knecht Gottes, und nicht über den Messias. Wie können wir über diese bekannten Meinungsverschiedenheiten hinausgelangen und klarer erkennen, was die Propheten angekündigt haben?
Ein besonders fruchtbarer Weg besteht darin, den reichen Schatz jüdischer Auslegung heranzuziehen: jüdische apokryphe und pseudepigraphische Schriften wie das Henochbuch, die aramäischen Targumim, die den biblischen Text übersetzen und oft erweitern, die Midraschim und den Talmud. Auch mittelalterliche jüdische Kommentatoren und der mystische Sohar bewahren wertvolle messianische Überlieferungen. Der Babylonische Talmud überliefert selbst die bemerkenswerte Auffassung: „Alle Propheten haben nur für die Tage des Messias prophezeit“ (b. Berakhot 34b). Aufmerksam gelesen, helfen diese Quellen, die messianische Bedeutung jener Stellen zu erhellen, die zwischen Juden und Christen umstritten sind.
In diesem Artikel werden wir sehen, wie viele dieser jüdischen Quellen das prophetische Bild des Messias deutlicher hervortreten lassen. Zusammengenommen weisen die Verheißungen mit bemerkenswerter Klarheit auf Jesus von Nazaret, den Messias Israels.
Der Messias wird der Nachkomme der Frau sein
Verheißung im AT:
Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse. (Gen 3,15)
Kommentar:
Dieser Abschnitt spricht von einer Feindschaft zwischen der Schlange, die Adam und Eva gerade zur Sünde verführt hat, und einer geheimnisvollen Frau und ihrem Nachkommen, der den Kopf der Schlange zertreten wird. Sowohl der Targum Pseudo-Jonathan, traditionell als Targum Jonathan zum Pentateuch bezeichnet, als auch der Jerusalemer Targum verbinden diese Stelle mit dem Frieden in den Tagen des Messias:
Und sie [die Söhne der Frau] werden schließlich Frieden schließen in den Tagen des Messias-Königs. (Targum Pseudo-Jonathan zu Gen 3,15)
Sie werden am Ende Frieden schließen, am Ende der Tage, in den Tagen des Messias-Königs. (Jerusalemer Targum zu Gen 3,15)
Auf den ersten Blick scheint diese Verheißung über den Messias als „Samen der Frau“ bedeutungslos zu sein: Wird nicht jeder von einer Frau geboren? Zugleich überrascht die Wendung, weil die Abstammung gewöhnlich auf den Vater zurückgeführt wird und „Same“ meist die Nachkommenschaft eines Vaters bezeichnet. So deutet die Stelle möglicherweise an, dass derjenige, der den Kopf der Schlange zertreten wird, seinen menschlichen „Samen“ von seiner Mutter und nicht von seinem Vater empfängt. Jesus, der ohne menschlichen Vater „von einer Frau geboren“ wurde — der Jungfrau Maria —, ist tatsächlich jener „Same der Frau“, der kam, um die alte Schlange zu besiegen (1 Joh 3,8; Offb 20,2.10) und Frieden zwischen Juden und Nichtjuden zu stiften, wie es der Epheserbrief beschreibt. Kapitel 12 der Offenbarung zeichnet ein lebendiges Bild der Frau, ihres Nachkommens, des Messias, und ihres Kampfes gegen die Schlange:

Erfüllung im NT:
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt.
(Gal 4,4)
Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet. (Eph 2,14–16)
Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen… Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird …Er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. […] Er verfolgte die Frau, die den Sohn geboren hatte. […] Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Nachkommen, die den Geboten Gottes gehorchen und an dem Zeugnis für Jesus festhalten. (Offb 12,1–17)
Der Messias wird ein Sohn Abrahams sein

Verheißung im AT:
Der Engel des Herrn rief Abraham…und sprach: Ich habe bei mir geschworen - Spruch des Herrn: Weil du das getan hast … will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen sollen das Tor ihrer Feinde einnehmen. Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde… (Gen 22,15–18)
Kommentar:
Gott verhieß Abraham, dass seine Nachkommenschaft ein Segen für die ganze Welt sein und seine Nachkommen überaus zahlreich werden würden. Der Midrasch schildert, wie sich Abrahams Nachkommenschaft in den Tagen des Messias vermehren wird, der selbst von Abraham abstammt:
In den Tagen des Messias wird Israel mit dem Sand des Meeres verglichen werden. (Bamidbar Rabbah 2; vgl. Santala, 41)
Jesus war natürlich ein Nachkomme Abrahams. Durch ihn wurden die Verheißungen an Abraham auf alle Völker ausgeweitet; durch ihn haben Millionen von Christen den Gott Israels kennengelernt und die geistlichen Segnungen empfangen, die er Abraham verheißen hat.
Erfüllung im NT:
Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. (Mt 1,1)
Abraham und seinem Nachkommen wurden die Verheißungen zugesprochen. Es heißt nicht: «und den Nachkommen», als wären viele gemeint, sondern es wird nur von einem gesprochen: und deinem Nachkommen; das aber ist Christus. (Gal 3,16)
Der Messias wird ein Nachkomme Jakobs sein
Verheißung im AT:
Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel. Er zerschlägt Moab die Schläfen und allen Söhnen Sets den Schädel. Edom wird sein Eigentum, Seïr, sein Feind, wird sein Besitz. Israel aber wird mächtig und stark. Aus Jakob steigt einer herab und vernichtet alles, was aus der Stadt entkam. (Num 24,17–19)
Kommentar:
Die aramäischen Targumim zu dieser Stelle bestätigen, dass der „Stern aus Jakob“ der Messias sein wird:

Ich sehe ihn, aber nicht jetzt; ich erblicke ihn, aber er ist nicht nahe. Wenn ein König aus Jakob hervorgeht und der Messias in Israel gesalbt wird, wird er die Fürsten Moabs erschlagen und über alle Menschenkinder herrschen. (Num 24,17; Targum Onkelos)
[…] Wenn ein mächtiger König aus dem Haus Jakob herrscht und zum Messias gesalbt wird, das mächtige Zepter Israels in der Hand, wird er die Fürsten Moabs erschlagen […]. (Num 24,17; Targum Pseudo-Jonathan)
Jesus war tatsächlich ein Nachkomme Jakobs, der auch Israel genannt wird:
Erfüllung im NT:
Jesus… Sohn Jakobs, Sohn Isaaks, Sohn Abrahams… (Lk 3,34)
Der Messias wird aus dem Stamm Juda kommen
Verheißung im AT:
Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt. (Gen 49,10)
Kommentar:
Diese Stelle kündigt an, dass eine Gestalt namens „Schilo“ aus dem Stamm Juda hervorgehen und über ihr Volk herrschen wird. Doch woher wissen wir, dass damit der Messias gemeint ist? Die Targumim, die Midraschim und der Talmud zeigen alle, dass „Schilo“ ein Name des Messias ist, der aus dem Stamm Juda kommen wird:
Die Weitergabe der Herrschaft wird nicht vom Haus Juda weichen, noch der Schreiber von seinen Kindeskindern, auf ewig, bis der Messias kommt, dem das Königtum gehört und dem die Völker gehorchen werden. (Targum Onkelos zu Gen 49,10–12)
Könige und Herrscher werden nicht aus dem Haus Juda verschwinden, noch Schriftgelehrte, die unter seinen Nachkommen die Tora lehren, bis zur Zeit, da der Messias-König kommt, der jüngste seiner Söhne; und vor ihm werden die Völker dahinschmelzen. […] Wie schön ist der Messias-König, der bestimmt ist, aus dem Haus Juda hervorzugehen! […] Wie schön sind die Augen des Messias-Königs, wie reiner Wein! (Targum Pseudo-Jonathan zu Gen 49,10–12)
Das Zepter wird nicht von Juda weichen […] bis Schilo („er“) kommt: Das ist der Messias-König. […] „Judas Zepter“ bezeichnet die Große Synagoge, den Sanhedrin, der getroffen wurde und zusammenbrach […] bis Schilo kommt. (Genesis Rabbah 98; vgl. Santala, 50)
Wie heißt der Messias-König? […] Der Herr (JHWH — יהוה) ist sein Name, denn Jer 23,6 sagt: „Dies ist der Name, mit dem er genannt werden wird: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit (יהוה צדקנו)“. […] SCHILO ist sein Name, denn in Gen 49,10 steht geschrieben: „Bis Schilo kommt“. […] (Klagelieder Rabbah 1:16, zu Klgl 1,15–17; b. Sanhedrin 98b)
Jesus erfüllte diese Verheißung als Angehöriger des Stammes Juda. Die Verheißung verbindet das Kommen des Messias außerdem mit dem Fortbestand von Judas Zepter, also seiner königlichen oder staatlichen Gewalt. Jesus kam, als Judas Identität und Institutionen noch bestanden, bevor die Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahr 70 n. Chr. dieser nationalen Ordnung ein verheerendes Ende setzte. Auch der Verlust der Befugnis des Sanhedrins, unter römischer Herrschaft die Todesstrafe zu verhängen, wurde als Zeichen dafür verstanden, dass das Zepter von Juda gewichen war. Raymond Martin (Ramon Martí), ein Dominikaner des 13. Jahrhunderts und Kenner des Hebräischen und der rabbinischen Literatur, überliefert einen Rabbi Rachmon zugeschriebenen Ausspruch, der die Bestürzung darüber ausdrückt, dass der Messias noch nicht erschienen sei:1
Als die Mitglieder des Sanhedrins entdeckten, dass ihnen das Recht über Leben und Tod entrissen worden war, erfasste sie allgemeine Bestürzung. Sie bedeckten ihre Köpfe mit Asche und ihre Körper mit Sacktuch und riefen: „Wehe uns! Das Zepter Judas ist uns genommen, und der Messias ist noch nicht gekommen!“ (zitiert bei Santala, 103; siehe Anmerkung 1)

Erfüllung im NT:
Jesus… der Sohn Judas. (Lk 3,23, 33)
Gesiegt hat der Löwe aus dem Stamm Juda, der Spross aus der Wurzel Davids; er kann das Buch und seine sieben Siegel öffnen. (Offb 5,5)
Der Messias wird ein Nachkomme Davids sein
Verheißung im AT:
Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn - da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: DER HERR (JHWH) IST UNSERE GERECHTIGKEIT. (Jer 23,5–6)
Kommentar:
Diese Verheißung spricht von einem Nachkommen Davids, der ein „gerechter Spross“ sein, als König herrschen und Juda und Israel Rettung bringen wird. Sein Name wird „JHWH ist unsere Gerechtigkeit“ (יהוה צדקנו) lauten. Rabbinische Quellen beziehen diesen Gottesnamen ausdrücklich auf den Messias: b. Bava Batra 75b zählt den Messias zu denen, die Gottes Namen tragen, während Klagelieder Rabbah 1:16 die Aussage Rabbi Abba bar Kahanas überliefert, der Name des Messias sei „der Herr“. Jesus, dessen Name „der Herr rettet“ bedeutet, erfüllt diese Verheißung als Sohn Davids, der sein Volk von seinen Sünden rettet:

Erfüllung im NT:
Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: (Mt 1,1)
Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. (Lk 1,30–33)
Der Messias wird von einer Jungfrau geboren werden
Verheißung im AT:
Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau (almah) wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes 7,14)
Kommentar:
Um 735 v. Chr. verhieß der Prophet Jesaja Ahas, dem König von Juda, ein Zeichen: Eine junge Frau oder Jungfrau werde einen Sohn gebären, der „Immanuel“ heißen wird, das heißt „Gott mit uns“. Das hebräische Wort almah bezeichnet eine junge Frau im heiratsfähigen Alter, die in diesem Zusammenhang gewöhnlich als Jungfrau verstanden wird. Die Septuaginta gibt es mit dem griechischen parthenos wieder, dem üblichen Wort für „Jungfrau“, und beseitigt damit einen großen Teil der Mehrdeutigkeit des Hebräischen.
Die Septuaginta ist eine jüdische Übersetzung, deren Anfänge ins 3. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen. Ihre Übersetzung des Jesajabuches wird gewöhnlich ins 2. Jahrhundert v. Chr. datiert, also lange vor die christliche Zeit. Diese Wiedergabe ist somit älter als das Christentum und lässt sich nicht als christliche Veränderung des Textes abtun.
Wir können uns außerdem fragen: Was wäre außergewöhnlich daran, dass eine junge Frau nach gewöhnlichem Verkehr mit einem Mann ein Kind empfängt? Im Licht des Namens des verheißenen Kindes, „Gott mit uns“, weist die Verheißung über eine gewöhnliche Geburt hinaus auf das wunderbare Zeichen, das sich in der Jungfrau Maria erfüllt hat.
Wie bekannt ist, empfing Maria Jesus, während sie Jungfrau blieb:
Erfüllung im NT:
„Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben“. […] Maria sagte zu dem Engel: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Der Engel antwortete ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden“. (Lk 1,30–35)
Der Messias wird in Betlehem geboren werden
Verheißung im AT:
Du aber, Betlehem Efrata, so klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, von Ewigkeit her. (Mi 5,1)
Kommentar:
Der Prophet Micha kündigt an, dass ein Herrscher mit ewigem Ursprung in Betlehem geboren werden und in Israel herrschen wird. Der Targum Jonathan identifiziert diesen Herrscher mit dem Messias und übersetzt Mi 5,1: „Aus dir wird der Messias hervorgehen“. Auch Radak (Rabbi David Qimhi) erkennt in dem Herrscher dieser Stelle den Messias-König, einen Nachkommen Davids.
Wie Micha prophezeit hatte, wurde Jesus in Betlehem, der Stadt Davids, geboren:
Erfüllung im NT:
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft. (Lk 2,4–6; siehe auch 2,7)
Der Messias wird in Galiläa wirken
Verheißung im AT:
In früherer Zeit brachte er Schmach über das Land Sebulon und das Land Naftali; in späterer Zeit aber wird er den Weg am Meer zu Ehren bringen, das Land jenseits des Jordan, Galiläa der Völker. Das Volk, das im Dunkel ging, hat ein großes Licht gesehen; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, ist ein Licht aufgestrahlt. (Jes 8,23–9,1)
Kommentar:
Jesaja prophezeite, dass in „Galiläa der Völker“ ein großes Licht aufleuchten werde. Jesus wuchs in Nazaret in Galiläa auf und wirkte während eines großen Teils seines öffentlichen Dienstes in dieser nördlichen Region, fern von Jerusalem und nahe den umliegenden nichtjüdischen Gebieten. Matthäus bezeichnet sein Wirken dort ausdrücklich als Erfüllung der Verheißung Jesajas.

Erfüllung im NT:
Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. (Mt 4,12–16)
Der Messias wird ein Prophet wie Mose sein
Verheißung im AT:
Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. (Dtn 18,15)
Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage. (Dtn 18,18)
Kommentar:
Das Deuteronomium kündigt an, dass Gott einen weiteren Propheten wie Mose erwecken wird. Der Targum Pseudo-Jonathan fügt hinzu, dass dieser neue Prophet durch den Heiligen Geist erweckt wird:
Der Herr, dein Gott, wird aus deiner Mitte durch den Heiligen Geist einen Propheten erwecken, der wie ich sein wird […] einen Propheten werde ich unter deinen Brüdern erwecken, durch den Heiligen Geist. (Targum Pseudo-Jonathan; vgl. Santala, 58)
Der Midrasch zum Buch Kohelet spricht auch von einem „letzten Erlöser“, der wie Mose, der erste Erlöser, auf einem Esel reiten und seinem Volk Brot vom Himmel und lebendiges Wasser geben wird:
Wie es einen ersten Erlöser gab, so wird es einen letzten geben. Wie vom ersten Erlöser gesagt wird (Ex 4,20): „Er nahm seine Frau und seine Söhne und setzte sie auf einen Esel“, so heißt es vom letzten Erlöser: „Er ist demütig und reitet auf einem Esel“ (Sach 9,9). Wie der erste Erlöser Manna gab (Ex 16), wie geschrieben steht: „Siehe, ich werde euch Brot vom Himmel regnen lassen“, so wird es auch der letzte Erlöser tun, wie geschrieben steht: „Getreide gebe es in Fülle im Land“ (Ps 72,16). Wie der erste Erlöser eine Quelle öffnete, so wird der letzte Erlöser Wasser geben, wie geschrieben steht: „Eine Quelle wird aus dem Haus des Herrn hervorströmen“ (Joël 4,18). (Qoheleth Rabbah 1)
Die Jünger Jesu erkannten in ihm „den Propheten“, den Mose angekündigt hatte. Darüber hinaus gab Jesus seinem Volk Brot vom Himmel und verhieß ein Wasser, das im Menschen zu einer „Quelle wird, deren Wasser ewiges Leben schenkt“:
Erfüllung im NT:
Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs. (Joh 1,45)
Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben; denn über mich hat er geschrieben… (Joh 5,46)
Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. (Joh 6,14)
Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben… Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. (Joh 6,32–35)
Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. (Joh 4,13–14)
Der Messias wird Wunder wirken
Verheißung im AT:
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor und Bäche fließen in der Steppe. (Jes 35,5–6)
Kommentar:
Die Heilung der Kranken und die Befreiung des Volkes Gottes aus den Fesseln, die es bedrücken, sind Zeichen für das Kommen des Reiches Gottes. Kranke zu heilen, Blinden das Augenlicht und Tauben das Gehör zurückzugeben, waren zentrale Bestandteile des Wirkens Jesu:
Erfüllung im NT:
Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. (Lk 7,21)
Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. (Mt 11,2–5)
Der Messias wird ein Hirte für das Volk Gottes sein
Verheißung im AT:
Ich werde ihnen einen einzigen Hirten geben, der sie weidet: meinen Knecht David. Er wird sie weiden und ihr Hirte sein. Ich, der Herr, werde ihr Gott sein, und mein Knecht David wird Fürst in ihrer Mitte sein. (Ez 34,23–24)
Mein Knecht David wird ihr König sein und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden nach meinen Rechtsvorschriften leben und auf meine Gesetze achten und sie erfüllen. Sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe und in dem ihre Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder werden für immer darin wohnen und mein Knecht David wird für alle Zeit ihr Fürst sein. (Ez 37,24–25)
Kommentar:
Gott verhieß seinem Volk einen Hirten aus dem Haus Davids, der es führen und weiden würde. Sowohl Radak als auch Raschi erklären zu Ezechiel 34, dass „mein Knecht David“ der Messias ist. Radak sagt auch zur Verheißung in Ezechiel 37, dass „mein Knecht David“ der Messias-König ist, der David genannt wird, weil er von David abstammt (vgl. Santala, 177).
Jesus, der Sohn Davids, nannte sich selbst „den guten Hirten“, der gekommen ist, seine Schafe zu sammeln und sein Leben für sie hinzugeben:
Erfüllung im NT:
Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe… Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe. Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten. (Joh 10,11, 14–16)
Der Messias wird ein Licht für die Völker sein
Verheißung im AT:
An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig. (Jes 11,10)
Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht für die Völker; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht. (Jes 49,6, siehe auch Jes 42,1,6)
Kommentar:
Ein weiteres Zeichen des messianischen Zeitalters ist, dass alle Völker den Gott Israels erkennen und anbeten werden. Obwohl Jesu Wirken sich zunächst an die Juden richtete, wies er Nichtjuden, die an ihn glaubten und seine Rettung suchten, nie zurück. Am Ende seines irdischen Lebens beauftragte er seine Jünger, Menschen aus allen Völkern zu seinen Jüngern zu machen:
Erfüllung im NT:
Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. (Mt 15,21; zur Heilung der Tochter der Kanaanäerin siehe 15,22–28)
Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. (Mt 28,19)
Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt. (Apg 11,18)
Der Messias wird auf einem Esel in Jerusalem einziehen
Verheißung im AT:
Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin. (Sach 9,9)
Kommentar:
Der Talmud und der Midrasch bestätigen, dass der König, der auf einem Esel in Jerusalem einziehen wird, der Sohn Davids und der Erlöser ist:

Der Sohn Davids wird nur in einer Generation kommen, die entweder ganz gerecht oder ganz böse ist. […] Sind sie gerecht, kommt er mit den Wolken; wenn nicht, kommt er demütig und auf einem Esel reitend. (b. Sanhedrin 98a; vgl. Santala, 55)
Wie es einen ersten Erlöser gab, so wird es einen letzten geben. Wie vom ersten Erlöser gesagt wird (Ex 4,20): „Er nahm seine Frau und seine Söhne und setzte sie auf einen Esel“, so heißt es vom letzten Erlöser: „Er ist demütig und reitet auf einem Esel“ (Sach 9,9). (Qoheleth Rabbah 1; vgl. Santala, 59)
Jesus zog tatsächlich auf einem Esel in Jerusalem ein — als Zeichen der Demut und des Friedens, aber auch seiner messianischen Königswürde:
Erfüllung im NT:
und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie. (Mt 21,2–3; zur Erfüllung siehe 21,6–9)
Der Messias wird ein verworfener Eckstein sein
Verheißung im AT:
Darum - so spricht Gott, der Herr: Seht her, ich lege einen Grundstein in Zion, einen harten und kostbaren Eckstein, ein Fundament, das sicher und fest ist: Wer glaubt, der braucht nicht zu fliehen. (Jes 28,16)
Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. (Ps 118,22–23)
Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. (Jes 53,3)
Kommentar:
Jesaja und der Psalmist sprechen von einem Eckstein, der verworfen wurde. Raschi bezieht Jesajas Grundstein auf den Messias und verbindet in seinem Kommentar zu Mi 5,1 den verheißenen davidischen Messias mit dem verworfenen Eckstein aus Psalm 118:
Siehe, ich habe einen Grundstein gelegt […] und so muss es ausgelegt werden: Siehe, ich bin derjenige, der bereits [einen Stein in Zion] gelegt hat. Bereits wurde vor mir ein Beschluss gefasst, und ich habe den Messias-König eingesetzt, der in Zion wie ein אֶבֶן בּוֹחֵן sein wird, ein Befestigungsstein, ein Ausdruck von Festigkeit und Stärke. (Raschi zu Jes 28,16)
Und du, Betlehem Efrata […] aus dir wird für mich der Messias hervorgehen, der Sohn Davids; so sagt die Schrift: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden“ (Ps 118,22). (Raschi zu Mi 5,1)
Jesus, der Messias, Erlöser und Eckstein Israels, wurde von vielen aus seinem eigenen Volk verworfen, darunter die führenden Männer, die ihn verurteilten:
Erfüllung im NT:
Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen. (Lk 9,22, Mt 21,42–43)
Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist… Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. (1 Petr 2,4–8)
Der Messias wird für dreißig Silberstücke verkauft werden
Verheißung im AT:
Ich sagte zu ihnen: „Wenn es euch recht scheint, gebt mir meinen Lohn; wenn nicht, lasst es“. Sie wogen mir als Lohn dreißig Silberstücke ab. Der Herr sagte zu mir: „Wirf ihn dem Töpfer hin, diesen herrlichen Preis, mit dem sie mich bewertet haben!“ Da nahm ich die dreißig Silberstücke und warf sie im Haus des Herrn dem Töpfer hin. (Sach 11,12–13)
Kommentar:
Der Preis für den Verrat an Jesus betrug dreißig Silberstücke — die Entschädigung, die für einen von einem Rind getöteten Sklaven vorgesehen war (Ex 21,32). Auch Sacharja spricht von dreißig Silberstücken, die im Haus des Herrn „dem Töpfer“ hingeworfen werden. Matthäus berichtet, wie Judas das Geld in den Tempel zurückbrachte und wie es anschließend zum Kauf des Töpferackers verwendet wurde. So kommen diese prophetischen Einzelheiten zusammen.
Erfüllung im NT:
Darauf ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke. Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern. (Mt 26,14–16)
Als nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass Jesus zum Tod verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohenpriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück…Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich. Die Hohenpriester nahmen die Silberstücke und sagten: Man darf das Geld nicht in den Tempelschatz tun; denn es klebt Blut daran. Und sie beschlossen, von dem Geld den Töpferacker zu kaufen als Begräbnisplatz für die Fremden. Deshalb heißt dieser Acker bis heute Blutacker. So erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Sie nahmen die dreißig Silberstücke - das ist der Preis, den er den Israeliten wert war — und gaben sie für den Töpferacker, wie der Herr mir aufgetragen hatte. (Mt 27,3–10)
Der Messias wird von einem Freund verraten werden
Verheißung im AT:
Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat die Ferse gegen mich erhoben. (Ps 41,10)
Kommentar:
Der Psalm beschreibt einen armen, gerechten Mann, der zu Unrecht von vielen Übeln bedrängt und von einem seiner engsten Freunde verraten wird. Dasselbe widerfuhr Jesus, den sein Jünger Judas verriet:
Erfüllung im NT:
Der Verräter hatte mit ihnen ein Zeichen verabredet und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist es; nehmt ihn fest. Sogleich ging er auf Jesus zu und sagte: Sei gegrüßt, Rabbi! Und er küsste ihn. (Mt 26,48–49)
Der Messias wird sanftmütig und demütig sein
Verheißung im AT:
Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. (Jes 42,2–3)
Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. (Jes 53,7)
Kommentar:
Damals wie heute erwarteten viele in Israel einen triumphierenden Messias, der sie von ihren Feinden befreien würde. Jesaja kündigte jedoch einen sanftmütigen und demütigen Messias an, der selbst angesichts ungerechter Leiden schweigen und „wie ein Lamm zur Schlachtung geführt“ werden würde. Genau so reagierte Jesus auf seine ungerechte Verurteilung und das Todesurteil:
Erfüllung im NT:
Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen? Jesus aber schwieg. (Mt 26,62–63)
Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34)
Der Messias wird geschlagen und bespuckt werden
Verheißung im AT:
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. (Jes 50,6)
Kommentar:
Juden sehen in dem leidenden Gottesknecht häufig Israel. Hier trägt der Knecht jedoch die auffälligen Züge eines Einzelnen, der gefoltert und gedemütigt wird, wie es Jesus widerfuhr.
Erfüllung im NT:
Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere ohrfeigten ihn. (Mt 26,67)
Der Messias wird durchbohrt werden
Verheißung im AT:
Sie durchbohren mir Hände und Füße. (Ps 22,17)
Doch über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich den Geist des Mitleids und des Gebets ausgießen. Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint. (Sach 12,10)
Kommentar:
Psalm 22 beschreibt, wie der jüdische Kommentator M. D. Cassuto bemerkt, „einen an Leib und Seele gequälten Menschen“, der sich von Gott und allen Menschen verlassen fühlt. In Vers 17 lautet der masoretische Text: „wie ein Löwe (כארי, ka’ari), meine Hände und meine Füße“. So, wie sie dasteht, enthält die Wendung kein ausdrückliches Verb und ist schwer verständlich. Eine andere Lesart, כארו (ka’aru), unterscheidet sich nur im letzten Buchstaben und wurde als eine mit „sie gruben“ oder „sie durchbohrten“ verbundene Form oder Schreibweise verstanden. Der Unterschied zwischen den hebräischen Buchstaben Jod (י) und Waw (ו) ist gering, sodass eine Abschreibvariante durchaus möglich ist.
Die vorchristliche jüdische Übersetzung der Psalmen ins Griechische stützt die Lesart mit einem Verb: Sie bietet ōryxan (ὤρυξαν), „sie gruben“, in diesem Zusammenhang als „sie durchbohrten“ wiedergegeben. „Sie durchbohrten meine Hände und meine Füße“ ist daher keine christliche Erfindung, die dem hebräischen Text aufgezwungen wurde. Die Wiedergabe beruht auf einer alten jüdischen Textüberlieferung und könnte die ursprüngliche Lesart deutlicher bewahren als „wie ein Löwe“. Die Beschreibung nimmt die Wunden der Kreuzigung auf eindrucksvolle Weise vorweg.
Eine im Talmud überlieferte Auslegung versteht Sacharja 12,10 („sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben“) als Hinweis auf den Tod des Messias, des Sohnes Josefs:
Und das Land wird trauern… Was ist der Grund dieser Trauer? […] Einer erklärte: Der Grund ist die Tötung des Messias, des Sohnes Josefs. […] Dies passt zu dem, der den Grund in der Tötung des Messias, des Sohnes Josefs, sieht, denn es stimmt mit dem Schriftvers überein: Sie werden auf mich blicken, weil sie ihn durchbohrt haben, und um ihn trauern, wie man um einen einzigen Sohn trauert. (b. Sukkah 52a; vgl. Santala, 186)
Auch Raschi und Ibn Esra erwähnen die Auslegung, dass diese Trauer dem Messias, dem Sohn Josefs, gilt (Kommentare zu Sach 12,10).
Bei der Kreuzigung Jesu wurden seine Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt. Außerdem durchbohrte unmittelbar nach seinem Tod ein römischer Soldat seine Seite mit einer Lanze:
Erfüllung im NT:
Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn. (Lk 23,33)
… einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. (Joh 19,34)
Man wird um seine Kleider losen
Verheißung im AT:
Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand. (Ps 22,19)
Kommentar:
Auch die Verlosung der Kleider des leidenden Menschen in Psalm 22 beschreibt genau, wie die römischen Soldaten bei der Kreuzigung um Jesu Gewänder losten:
Erfüllung im NT:
Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich. (Mt 27,35)
Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies führten die Soldaten aus. (Joh 19,23–24)
Dem Messias werden Essig und Galle zu trinken gegeben
Verheißung im AT:
Sie gaben mir Galle zu essen und reichten mir für meinen Durst Essig. (Ps 69,22)
Kommentar:
Psalm 69 schildert die ungerechte Bedrängnis eines Gerechten, der „ohne Grund gehasst“ wird (V. 5) und Galle zu essen und Essig zu trinken erhält, wie Jesus am Kreuz.
Erfüllung im NT:
Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
(Mt 27,34)
Der Messias wird für unsere Sünden geopfert werden
Verheißung im AT:
Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen. Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen. (Jes 53,4–8)
Kommentar:
Juden verstehen den leidenden Gottesknecht in Jes 53 heute häufig als das Volk Israel, das für die anderen Völker gelitten habe, um deren Sünden zu sühnen. Jesaja beschreibt diesen Knecht jedoch als unschuldig: „Er hatte keine Gewalttat begangen, und kein Trug war in seinem Mund“ (Jes 53,9). Er ist der gerechte Knecht, der die Sünden anderer trägt (Jes 53,11–12). Dies steht in deutlichem Gegensatz zu Jesajas Vorwürfen gegen Israels Sünden an anderen Stellen (vgl. Jes 1) und weist auf einen unschuldigen Einzelnen hin, der sich für sein Volk hingibt. Auch mehrere jüdische Quellen verbinden diese leidende Gestalt mit dem Messias.
Der Targum übersetzt Jes 52,13: „Siehe, mein Knecht, der Messias, wird Erfolg haben“.
Der Midrasch Tanhuma erklärt: „Dies ist der König, der Messias, der sich erheben und hoch erhöht werden wird, höher als Abraham, größer als Mose, über den anbetenden Engeln“.
Der Midrasch zu Rut behandelt bei der Auslegung von Rut 2,14 das „messianische Mahl“: „Die fünfte Auslegung von [Rut 2,14] bezieht die Stelle auf den Messias. ‚Komm her‘: Tritt zur königlichen Würde heran. ‚Iss von dem Brot‘ bezeichnet das Brot des Königtums; ‚tauche deinen Bissen in den Essig‘ bezieht sich auf seine Leiden, wie es heißt: ‚Er wurde wegen unserer Vergehen verwundet‘ (Jes 53,5)“ (Ruth Rabbah 5:6).
Rabbi Elija de Vidas schreibt: „So litt der Messias wegen unserer Sünden und wurde verwundet; wer nicht will, dass der Messias wegen unserer Vergehen verwundet wird, kann wählen, selbst zu leiden und seine eigenen Sünden zu tragen“ (vgl. Santala, 202).
Auch der Talmud verbindet den leidenden Gottesknecht mit dem Messias: „Wie heißt der Messias? […] Die Rabbiner sagten: Sein Name ist ‚der aussätzige Gelehrte‘, wie geschrieben steht: ‚Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für einen Aussätzigen, von Gott geschlagen und bedrängt‘ (Jes 53,4)“ (b. Sanhedrin 98b).
Ein bemerkenswerter Abschnitt findet sich auch in einer Eleasar ha-Kallir zugeschriebenen liturgischen Dichtung, die in einigen Gebetbüchern für Jom Kippur überliefert ist, darunter dem von Santala angeführten Mahzor Rabbah:
Damals, vor der Schöpfung, hatte er bereits den Tempel und den Messias bereitet. […] Der Messias, unsere Gerechtigkeit, hat sich von uns abgewandt und findet niemanden, der uns rechtfertigen kann. Das Joch unserer Sünden und Vergehen lastet auf uns; er wurde wegen unserer Vergehen verwundet, er trug auf seinen Schultern unsere Schuld; es gibt Vergebung für unsere Sünden. Durch seine Wunden sind wir geheilt; es ist Zeit, für immer eine neue Schöpfung zu schaffen. […] (Mahzor Rabbah für den Großen Versöhnungstag, zitiert bei Santala, 207)
Das Neue Testament bezieht Jes 53 selbstverständlich auf Jesus, das für die Sünden der Welt geopferte Paschalamm:
Erfüllung im NT:
Nun war da ein Äthiopier… Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja: "Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen." Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen? Da begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus. (Apg 8,27–35)
… denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. (1 Kor 5,7)
Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen. (Hebr 9,26)
Siehe auch:
Jews for Jesus: Jewish Messianic Interpretations of Isaiah 53
Keiner seiner Knochen wird zerbrochen werden
Verheißung im AT:
In einem Haus muss man es essen. … Und ihr sollt keinen Knochen des Paschalammes zerbrechen. (Ex 12,46)
Der Gerechte muss viel leiden, doch allem wird der Herr ihn entreißen. Er behütet all seine Glieder, nicht eines von ihnen wird zerbrochen. (Ps 34,20–21)
Kommentar:
Das Gebot, dem Paschalamm keinen Knochen zu zerbrechen, und die Verheißung des Psalms erfüllten sich, als die Soldaten Jesus bereits tot vorfanden und ihm deshalb die Beine nicht zerschlugen (Joh 19,33–36).
Erfüllung im NT:
Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht. (Joh 19,33)
Der Messias wird von den Toten auferstehen
Verheißung im AT:
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. (Ps 16,10)
Kommentar:
Die alte Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten, die David in Psalm 16 ausdrückt, blieb in Davids eigenem Leben unerfüllt, wie der Apostel Petrus den am Pfingsttag in Jerusalem versammelten Juden erklärte (Apg 2). Die Auferstehung Christi erfüllte jedoch diese Verheißung des endgültigen Sieges über den Tod.

Erfüllung im NT:
Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.
Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. (Mt 28,5–6)
Brüder, ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden: Er starb und wurde begraben und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag. Da er ein Prophet war und wusste, dass Gott ihm den Eid geschworen hatte, einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen, sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus: Er gibt ihn nicht der Unterwelt preis und sein Leib schaut die Verwesung nicht. Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. (Apg 2,29–32)
Der Messias wird in den Himmel auffahren
Verheißung im AT:
Du zogst hinauf zur Höhe, führtest Gefangene mit; du nahmst Gaben entgegen von den Menschen. Auch Empörer müssen wohnen bei Gott, dem Herrn. (Ps 68,19)
Kommentar:
Psalm 68 feiert Gottes siegreichen Aufstieg und die Gefangenen, die er mit sich führt. Epheser 4,8–10 bezieht diese Stelle auf Christi Herabsteigen und Himmelfahrt: Jesus hat über die Mächte triumphiert, die die Menschheit gefangen hielten, und schenkt seinem Volk Gaben. Zum Vater aufgefahren, bereitet er auch seinen Jüngern einen Platz im Reich des Vaters.

Erfüllung im NT:
…hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. (Joh 14,2–3)
Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. (Apg 1,9)
Der Messias wird zur Rechten Gottes sitzen
Verheißung im AT:
So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße. (Ps 110,1)
Kommentar:
Wer sind die beiden Herren, von denen dieser Psalm spricht? Der Midrasch zu den Psalmen erklärt, dass dieser Dialog zwischen dem Herrn und dem Messias stattfindet:
„Setze dich zu meiner Rechten“: Er sagt dies zum Messias; sein Thron ist in Gnade bereitet, und er wird darauf sitzen. (Midrasch zu den Psalmen; vgl. Santala, 124)
Jesus erklärte, dass er derjenige sei, der zur Rechten Gottes sitzen werde:

Erfüllung im NT:
Jesus antwortete:… Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen. (Mt 26,64)
Der Messias wird Priester nach der Ordnung Melchisedeks sein
Verheißung im AT:
Der Herr hat geschworen und nie wird's ihn reuen: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. (Ps 110,4)
Kommentar:
Psalm 110 spricht von einem geheimnisvollen Priester „nach der Ordnung Melchisedeks“. Im Neuen Testament erläutert der Hebräerbrief, wie das zeitlich begrenzte Priestertum Aarons, das die Gläubigen nicht zur Vollendung führen konnte, in einem neuen und größeren Priester seine Erfüllung findet, der „nicht nach dem Gesetz einer leiblichen Abstammung, sondern durch die Kraft unzerstörbaren Lebens“ Priester geworden ist (Hebr 7,16). Jesus ist der ewige Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks.
Erfüllung im NT:
So hat auch Christus sich nicht selbst die Würde eines Hohenpriesters verliehen, sondern der, der zu ihm gesprochen hat: Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt, wie er auch an anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks. (Hebr 5,5–6)
Wir haben einen Hohenpriester, der sich zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel gesetzt hat, als Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes, das der Herr selbst aufgeschlagen hat, nicht etwa ein Mensch. (Hebr 8,1–2)
Die Zeit des Kommens des Messias wurde vorhergesagt
Verheißung im AT:
Nach der traditionellen christlichen Auslegung stehen die Statue im Traum Nebukadnezzars (Dan 2) und die vier Tiere im Traum Daniels (Dan 7) für vier Königreiche: Babylon, Medien und Persien, Griechenland und Rom. Zur Zeit des vierten Königreiches, Rom, „wird der Gott des Himmels ein Reich errichten, das niemals zerstört wird und dessen Herrschaft keinem anderen Volk überlassen wird; es wird alle diese Reiche zermalmen und vernichten, selbst aber für immer bestehen“ (Dan 2,44).
Kommentar:
Der Talmud überliefert eine Tradition, nach der auf zweitausend Jahre Tora zweitausend Jahre des Messias folgen, erklärt aber, dass Israels Sünden die erwartete Erfüllung verzögert hätten:
Die Überlieferung des Elija lehrt, dass die Welt sechstausend Jahre bestehen wird: in den ersten zweitausend Verödung, in den nächsten zweitausend wird die Tora blühen, und die folgenden zweitausend sind die Tage des Messias; aber wegen unserer Sünden, die groß waren, ist es anders gekommen. (b. Sanhedrin 97a)
Nach dem traditionellen jüdischen Kalender wird die Schöpfung auf das Jahr 3761 v. Chr. datiert. Die zweitausend Jahre Tora im Talmud beginnen mit Abraham und nicht erst mit der Gesetzgebung am Sinai (b. Avodah Zarah 9a). Nach dieser Rechnung beginnen die folgenden zweitausend Jahre, die Tage des Messias, um 240 n. Chr. Der bemerkenswerte Punkt bleibt: Diese rabbinische Überlieferung verlegt den erwarteten Beginn des messianischen Zeitalters weit in die Vergangenheit und erklärt seine Verzögerung mit den Sünden Israels.
Erfüllung im NT:
Jesus trat auf und verkündete das Reich Gottes zur Zeit der römischen Besatzung Judäas, innerhalb des zeitlichen Rahmens der Verheißungen Daniels.
Der Messias wird vor der Zerstörung des Tempels getötet werden
Verheißung im AT:
…Von der Verkündigung des Wortes über die Rückführung des Volkes und den Wiederaufbau Jerusalems bis zur Ankunft eines Gesalbten, eines Fürsten, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen… Nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter umgebracht, aber ohne (Richterspruch). Das Volk eines Fürsten, der kommen wird, bringt Verderben über die Stadt und das Heiligtum. (Dan 9,25–26)
Kommentar:
Die folgende Berechnung ist eine mögliche Deutung der Verheißung Daniels. Sie hängt vom Ausgangsdatum, von der Annahme „prophetischer Jahre“ mit 360 Tagen und von der Rekonstruktion antiker Kalender ab. Die genauen Daten sind daher als vorgeschlagene, nicht als gesicherte Daten zu verstehen.
- Die Verheißung: Neunundsechzig „Wochen“ zu je sieben Jahren nach dem Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems wird der Messias „getötet“; danach werden Stadt und Heiligtum zerstört.
- Nach dieser Auslegung ist der Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems mit der Erlaubnis von König Artaxerxes im Monat Nisan seines zwanzigsten Regierungsjahres gleichzusetzen (Neh 2,1–8).
- Artaxerxes begann seine Herrschaft 465 v. Chr. Diese Berechnung setzt sein zwanzigstes Regierungsjahr auf 445 v. Chr. an und nimmt den 1. Nisan (Nissan) als Ausgangspunkt, der hier herkömmlich mit dem 14. März 445 v. Chr. gleichgesetzt wird.
- Daniels Verheißung kündigt 7 + 62 = 69 Wochen zwischen dem Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems und dem Kommen des Messias an (eine „Woche“ = sieben Jahre).
- 69 „Wochen“ × 7 Jahre = 483 prophetische Jahre. Bei 360 Tagen pro prophetischem Jahr ergeben sich 173.880 Tage. Dies ist ein schematisches prophetisches Jahr und nicht die tatsächliche Länge des Jahres im babylonischen Lunisolarkalender.
- 173.880 Tage entsprechen ungefähr 476 julianischen Jahren und 21 Tagen, wenn man von einer durchschnittlichen Länge des julianischen Jahres von 365,25 Tagen ausgeht.
- Zählt man von 445 v. Chr. aus 476 Jahre weiter, gelangt man unter Berücksichtigung des fehlenden Jahres null zum Jahr 32 n. Chr.
- Addiert man zum 14. März ungefähr 21 Tage, gelangt man etwa zum 4. April 32 n. Chr. Unter diesen Voraussetzungen führen die neunundsechzig Wochen in die Zeit des letzten Einzugs des Messias in Jerusalem und seiner kurz darauf erfolgten Tötung.
- Das Paschafest fiel im Jahr 32 n. Chr. ungefähr auf den 10. April. Wenn die Kreuzigung an diesem Paschafest stattfand, ist die Übereinstimmung mit der vorgeschlagenen prophetischen Zeitrechnung bemerkenswert. Innerhalb dieses chronologischen Schemas ist 32 n. Chr. somit ein wahrscheinliches Jahr der Kreuzigung, auch wenn das Jahr und die genauen Kalenderdaten unsicher bleiben.
Der Talmud berichtet auch von unheilvollen Veränderungen im Tempeldienst während der vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels, also etwa seit dem Jahr 30 n. Chr. und damit nahe der Zeit der Kreuzigung Jesu. Der scharlachrote Streifen, der mit dem Sündenbock am Jom Kippur verbunden war und dessen Weißwerden Vergebung bedeutete, wurde nicht mehr weiß. Die westliche Lampe brannte nicht mehr weiter, das Los „für den Herrn“ fiel nicht mehr in die rechte Hand des Hohepriesters, und die Tore des Heiligtums öffneten sich von selbst:
Während der letzten vierzig Jahre vor der Zerstörung des Tempels fiel das Los nicht in die rechte Hand; der scharlachrote Streifen wurde nicht weiß; die westliche Lampe leuchtete nicht; und die Tore des Heiligtums öffneten sich von selbst. Da wies Rabbi Jochanan ben Sakkai sie zurecht und sagte: „Tempel, warum beklagst du dich so? Ich weiß von dir, dass du zerstört werden wirst“. (b. Yoma 39b; vgl. Santala, 105)
Es ist bemerkenswert, dass solche einschneidenden Veränderungen im Tempeldienst auf geheimnisvolle Weise gerade um die Zeit der Kreuzigung Jesu auftraten!
Erfüllung im NT:
Nach der oben dargestellten Berechnung führen die Erlaubnis des Artaxerxes im Jahr 445 v. Chr. (Neh 2,1–8) und die neunundsechzig „Wochen“ prophetischer Jahre bis zum Jahr 32 n. Chr., dem innerhalb dieser Rekonstruktion wahrscheinlichen Jahr der Kreuzigung. Die genaue Chronologie bleibt unsicher, doch die zentrale Entsprechung ist klar: Jesus, der Messias, wurde getötet, bevor die Römer Jerusalem und den Tempel im Jahr 70 n. Chr. zerstörten. Der Bericht des Talmuds über unheilvolle Zeichen in den vierzig Jahren zuvor ist in diesem Licht besonders bemerkenswert.
Der Messias hat zwei Aufgaben zu erfüllen
Verheißung im AT:
Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, damit ich alle Trauernden tröste.(Jes 61,1–2)
Kommentar:
Jesaja spricht hier von den beiden Aufgaben des Messias: Die erste besteht darin, zu predigen, zu heilen und Menschen aus ihren Fesseln zu befreien und dabei seine zweite Aufgabe anzukündigen: den Tag des Gerichts, den „Tag der Vergeltung unseres Gottes“. Jesus hat die erste Aufgabe in seinem irdischen Leben erfüllt und führt sie nun durch die Kirche fort, in Erwartung des Tages und der Stunde seiner Wiederkunft, um die Welt zu richten.

Erfüllung im NT:
Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet. (Mt 11,5)
Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen. (Mt 16,27)
Alle Völker werden den Menschensohn anbeten
Verheißung im AT:
Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. (Dan 7,13–14)
Kommentar:
Daniels Menschensohn erscheint hier als weit mehr als ein bloßer Mensch: Er empfängt ewige Vollmacht über die ganze Welt, und alle Völker und Nationen der Erde beten ihn an!
Raschi schreibt, dass dieser Menschensohn der Messias-König ist (Raschi zu Dan 7,13).
Rabbi Saadia Gaon erklärt:
Er ist der Messias, unsere Gerechtigkeit; und steht nicht vom Messias geschrieben: „Er ist demütig und reitet auf einem Esel“? Er wird demütig kommen, nicht stolz zu Pferde. Das „Kommen mit den Wolken“ bezieht sich auf die Schar der himmlischen Engel; darin liegt die Größe, die der Schöpfer dem Messias gewähren wird. (Rabbi Saadia Gaon zu Dan 7)
Im Buch der Offenbarung sehen wir in einer ähnlichen Vision wie bei Daniel Jesus über die ganze Schöpfung herrschen und von allen Geschöpfen Anbetung und Ehre empfangen:

Erfüllung im NT:
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit. Und die vier Lebewesen sprachen: Amen. Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an. (Offb 5,12–14)
Der Messias wird „Sohn Gottes“ genannt
Verheißung im AT:
Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne? Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten. […] „Ich selbst habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg“. Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: „Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. Bitte mich, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum“. […] Küsst den Sohn, damit er nicht zürnt und ihr nicht zugrunde geht auf eurem Weg. […] (Ps 2,1–2.6–8.12)
Wer stieg zum Himmel hinauf und kam wieder herab? Wer sammelte den Wind in seine Fäuste? Wer band das Wasser in ein Gewand? Wer setzte fest alle Enden der Erde? Wie ist sein Name und wie der Name seines Sohnes, wenn du es weißt? (Spr 30,4)
Kommentar:
Oft wird behauptet, die Vorstellung, dass Gott einen Sohn habe, sei den hebräischen Schriften völlig fremd. Doch Psalm 2 nennt den Gesalbten des Herrn, seinen Messias, „Sohn“ und verheißt ihm die Völker als Erbe. Der Midrasch zu den Psalmen erkennt in dieser Gestalt den „Kommenden“, den „Messias-König“, vor dem sich alle niederbeugen werden, und den „Menschensohn, der mit den Wolken kommt“, aus Daniel 7,13. Diese Texte bereiten die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes im Neuen Testament vor.
Raschi erwähnt ausdrücklich die rabbinische Auslegung, die Psalm 2 auf den Messias-König bezieht, erklärt den Wortsinn jedoch im Blick auf David selbst (Raschi zu Ps 2,1). Auch Ibn Esra erwägt Davids Salbung und eine messianische Deutung (vgl. Santala, 119). Der Talmud bezieht Psalm 2 ebenfalls auf den Messias, den Sohn Davids, und verbindet ihn mit der Überlieferung vom leidenden Messias, dem Sohn Josefs:
Die Rabbiner haben gesagt, dass damit der Messias gemeint ist, der Sohn Davids, der bald in unseren Tagen kommen soll. Der Heilige wird zu ihm sagen: „Bitte mich, und ich werde es dir geben“, wie es heißt: […] „Heute habe ich dich gezeugt; bitte mich, und ich werde dir die Völker zum Erbe geben“. Und weil er den Messias, den Sohn Josefs, sah, der getötet wurde, […] „Ich werde dich um nichts anderes bitten als um das Leben“. […] (b. Sukkah 52a; vgl. Santala, 120)
Santala zitiert auch eine bemerkenswerte Stelle aus dem Sohar, die den Heiligen, seinen Sohn und seinen Geist zusammen nennt. Ihre Sprache bietet einen aufschlussreichen Berührungspunkt mit dem christlichen Glauben, ohne eine förmliche Aussage der Trinitätslehre darzustellen:
„Du bist der gute Hirte; von dir heißt es: ‚Küsst den Sohn‘. Du bist groß hier unten, der Lehrer Israels, der Herr der dienenden Engel, der Sohn des Höchsten, der Sohn des Heiligen, gepriesen sei sein Name und sein Heiliger Geist“. (Sohar, Teil III, S. 307, Amsterdamer Ausgabe, zitiert bei Santala, 121)

Erfüllung im NT:
Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (Mt 3,16–17)
Siehe auch:
Jews for Jesus: The Son of God
Jews for Jesus: Is Psalm 2 considered messianic by the rabbis and Jewish sages?
Der Messias existierte vor der Erschaffung der Welt
Verheißung im AT:
Aber Du, Betlehem Ephrathah, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen. (Mi 5,1)
Kommentar:
Wir haben diesen Vers aus Micha bereits untersucht und gesehen, wie jüdische Kommentatoren ihn auf den Messias beziehen. Doch ist dieser Messias lediglich ein Mensch? Sein Ursprung „von alters her, von Ewigkeit her“ weist uns auf das Geheimnis seiner Präexistenz. Radak erkennt in dem verheißenen Herrscher den Messias-König und verbindet seinen alten Ursprung mit seiner Abstammung von David. Andere jüdische Überlieferungen sprechen noch unmittelbarer von der Existenz des Messias vor der Schöpfung.
Aus dir wird für mich der Messias hervorgehen, denn er wird von David abstammen, der aus Betlehem war. (Radak zu Mi 5,1 [5,2 in der englischen Verszählung]; aus dem Hebräischen übersetzt)
In Genesis 1,2 lesen wir: „Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser“. Der Midrasch Rabbah erklärt dazu: „Dies war der Geist des Messias“, der schon bei der Schöpfung gegenwärtig war (Genesis Rabbah 2:4, zu Gen 1,2; vgl. Santala, 35).
Nach dem Talmud gehört der Name des Messias zu den sieben Dingen, die vor der Schöpfung festgelegt wurden (b. Pesahim 54a; Nedarim 39b; vgl. Santala, 52).
Auch das apokryphe Henochbuch stellt den Messias und Menschensohn als bereits vor der Erschaffung der Welt existent dar:
In jener Stunde wurde jener Menschensohn in Gegenwart des Herrn der Geister genannt, und sein Name vor dem Hochbetagten. Ja, bevor die Sonne und die Zeichen geschaffen wurden, bevor die Sterne des Himmels gemacht wurden, wurde sein Name vor dem Herrn der Geister genannt. Er wird den Gerechten ein Stab sein, auf den sie sich stützen, ohne zu fallen; er wird das Licht der Völker sein und die Hoffnung derer, deren Herzen bedrängt sind. Alle Bewohner der Erde werden vor ihm niederfallen und ihn anbeten; sie werden den Herrn der Geister loben, preisen und mit Liedern feiern. Darum wurde er erwählt und vor ihm verborgen, vor der Erschaffung der Welt und für immer. (1 Henoch 48,2–6)
Diese Überlieferungen zeigen, dass der himmlische Ursprung und die Präexistenz des Messias tief in der jüdischen Auslegung verwurzelt sind. Sie bereiten uns darauf vor, das im Neuen Testament vollständiger offenbarte Geheimnis zu erkennen: Jesus ist der ewige Sohn, durch den alles geschaffen wurde.
Erfüllung im NT:
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung; in ihm hat alles Bestand. (Kol 1,15–17)
Der Messias wird „Gott“ genannt
Verheißung im AT:
Seht, es kommen Tage — Spruch des Herrn —, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: DER HERR IST UNSERE GERECHTIGKEIT (JHWH Zidkenu). (Jer 23,5–6)
Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jes 9,5)
Kommentar:
Diese beiden Verse weisen darauf hin, dass der davidische König, Messias und „Sohn“ göttlich sein wird. Die Göttlichkeit des Messias ist ein umfangreiches Thema, das an anderer Stelle behandelt wird. Hier genügt der Hinweis, dass auch der Midrasch zu den Klageliedern den Namen Gottes auf den Messias bezieht:
Wie heißt der Messias-König? R. Abba bar Kahana sagte: „Sein Name ist ‚der Herr‘, wie geschrieben steht: ‚Dies ist der Name, mit dem er genannt werden wird: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit‘“. (Klagelieder Rabbah I.16.51)
Erfüllung im NT:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Joh 1,1)
Jesus sagte ihnen: Amen, amen, ich sage euch, bevor Abraham war, BIN ICH. (Joh 8,58)
Und Thomas antwortete und sagte zu [Jesus], Mein Herr und mein Gott! (Joh 20,28)
…an alle die durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus den gleichen kostbaren Glauben erlangt haben wie wir. (2 Petr 1,1)
Siehe auch den Artikel über die Göttlichkeit des Messias.
Hauptquelle dieses Artikels: Risto Santala, The Messiah in the Old Testament in the Light of Rabbinical Writings. Jerusalem: Keren Ahvah Meshihit, 1992.
Siehe auch den Artikel desselben Autors: How Can We Be Convinced that Jesus is the Messiah?
Siehe auch: Messianische Verheißungen* (PowerPoint).
Anmerkung
- Santala (S. 103) zitiert Fred John Meldau, der diesen Ausspruch „Rabbi Rachmon“ zuschreibt und auf The Chosen People verweist. Das Zitat findet sich in der Dezemberausgabe 1937 dieser Zeitschrift (Bd. XLIII, Nr. 3), S. 3. Ein früherer Beleg steht in Lémanns Jesus Before the Sanhedrim, Kap. II, das Raymond Martins Pugio fidei, Leipziger Ausgabe (1687), S. 872, anführt. Auf dieser Seite steht der Abschnitt auf Hebräisch mit lateinischer Übersetzung und wird ausdrücklich „R. Rachmon“ zugeschrieben, dessen Identität unklar bleibt. Die verbreitete englische Wiedergabe erwähnt Asche; Martins Text spricht dagegen von Sacktuch und dem Kahlscheren des Kopfes. Dies sind dokumentierte Belege für den Abschnitt; eine direkte Übernahme zwischen sämtlichen Vermittlern ist nicht nachgewiesen. ↩
Bibelstellen: Die Psalmen folgen hier der hebräischen Zählung. Die Verszählung einzelner Stellen, insbesondere in den Psalmen sowie in Jesaja, Micha und Joël, ist an gängige deutsche Bibelausgaben angepasst und kann von der englischen Fassung des Artikels abweichen.



