Er bekleidete mich mit den Gewändern des Heils 

(Jes. 61,10)

Sr. Miryam LeahIch heiße Miryam Leah. Ich bin 35 Jahre alt, Jüdisch unf Italienerin aus einer ultraorthodoxen, chassidischen Familie. (Lubavitch- mein Vater ist der Shaliach, der „Gesandte“ des Rebbe.) Seit 8 Jahren bin ich katholisch und Dominikanerinnenschwester.

Meine Konversion ist zuerst einmal eine Wunde, und dann - und wirklich erst dann- eine Begegnung. Es ist ein Tod auf den das Licht folgt. Ein Tod meines Denkens, meines Verhaltens und ein Tod alldessen was mir früher gehört hat. Aber mehr als das ist es ein Tod für mein Volk welches mich nicht länger anerkennt, ein Tod in Hinsicht auf meine Familie, die jeglichen Kontakt zu mir abgebrochen hat und mir Idolatrie, Verrat und Antisemitismus vorwirft. Sie beschuldigen mich meine Großeltern, die alle (bis auf meine Großmutter die später wiederkam aber dann Selbstmord begann) in Auschwitz umgekommen sind noch mal umgebracht zu haben. Von meinem gesammten Umfeld, ob religiös oder nicht, werde ich angegriffen. Sie sagen,  ich sei nicht länger eine von ihnen, ich sei zum Feind übergelaufen in das Lager derer, die  durch alle Zeiten hindurch Leiden über das jüdische Volk gebracht haben. Sie sagen, ich hätte meine Seele verloren und hätte nicht länger ein Recht auf ein Leben in der kommenden Welt.

Sie denken meine Geschichte sei des Wahnsinns. Völliger Wahnsinn!

Man hat mir erzählt eine Umkehr kommt nicht einfach so über einen. Es ist wie ein Strich eines Bleistiftes den man in der Hand hält, der seine Linien blind zeichnet weil man zu nah am Blatt Papier ist um zu sehen, was man malt. Aber wenn ich meine Vergangenheit erneut lese erkenne ich, dass ich meine Umkehr schon als Kind und als Frau die ich war und die ich bin gezeichnet habe. Sie hat auf mich gewartet.

Immer besorgt, immer auf der Suche nach etwas das zu fehlen schien, wollte ich nicht glauben, dass die Beziehung mit HaSchem (Gott) nur durch das Gesetz möglich war, und dass man ein großer lamdan (Student) sein konnte, ohne jemals HaSchem begegnet zu sein. Seit meiner Geburt hatte ich die Rabbiner sagen hören, dass Lieben bedeutet, dass man die Gebote einhält. Ich dagegen habe Liebe als eine persönliche Beziehung gesehen, als eine einzigartige Berufung. Es erschien mir, dass wir, die Juden das Gesetz bis ins kleinste Detail folgten, aber es wahr als ob wir uns darum bemühten mit HaSchem  auszukommen. In meinen Gebeten bat ich den Allerhöchsten darum, mir die Erfahrung einer Beziehung zu ihm zu gewähren, so wie es unsere Väter hatten, und mir zu erlauben mit ihm zu sprechen, so wie „ein Mann mit seinem Freund spricht.“ Das war es was ich wollte. An einem Tag im September vor 13 Jahren, als ich gerade meinen Militärdienst in Israel beendet hatte, fand ich ein Neues Testament im Taschenbuchformat am Ufer des See Genezareth.

Ich begann neugierig darin herumzulesen und ich erinnere mich immer noch an den Eindruck, den ich dabei hatte: Es war als ob ein Vorhang von mir gerissen wurde und ein ganzes inneres Leben  plötzlich in mir wachgerufen würde.

Es ist sehr schwer zu erklären wie man zu einer inneren Gewissheit kommen kann, denn diese Gewissheit ist eine Gnade, und Gnade hat keine Erklärung. Ich habe das ganze Evangelium auf einmal gelesen und da WUSSTE ich, tief in meinem Inneren, dass der eine über den ich gerade las, der Messias war. Da war er, und er lebte. Er hat mich bei meinem Namen gerufen und mich mit unendlicher Liebe umgeben. Es war als hätte ich eine Tür in mir selbst entdeckt. Ich hab den Türgriff gedrückt und wurde von einer warmen, strahlenden Lichtflut erfüllt. Es war ein Sonntag. Die ganze Woche hindurch konnte ich nur an ihn denken, -diese wahnsinnige Liebe in der er sich selbst an Männer und Frauen hingibt- er der zu mir gesprochen hatte als sei ich die einzige im ganzen Universum. Es war als wäre ich betrunken.

Natürlich kannte ich keinen einzigen Christen, sondern nur Juden so wie ich, Lubavitcher, und so bin ich diesem ersten Eindruck nicht weiter gefolgt. Ich war viel zu sehr erschüttert, und ich glaube, dass die Zeit noch nicht reif war. Am folgenden Sonntag bin ich nach Italien zurückgekehrt.

Dort angekommen, kehrte ich in mein gewohntes Leben mit seinen strengen religiösen Praktiken und seinen vielen Geboten, die jeden Aspekt meines Seins abdeckten zurück. Die innere Erfahrung am Strand des Sees blieb bei mir wie ein kleiner Kiesel, der im Schuh drückt, wenn man geht. Man versucht ihn loszuwerden aber er scheint immer dort zu bleiben und lässt einem keine Ruhe…. Sobald ich von meinen eigenen Leuten umgeben war, habe ich alle Erinnerungen an „diesen Mann“ zur Seite gedrängt. (Ich konnte mich nicht einmal dazu bringen seinen Namen mit Bestimmtheit über die Lippen zu bringen), so groß war meine Angst vor Blasphemie. Ich hab es vorgezogen, diese Eindrücke in mir nicht wachzurufen, aber was mich am meisten beunruhigt hat war die Tatsache, dass ich nicht in der Lage war aufzuhören über ihn nachzudenken. Trotz all meiner Bemühungen gab mir seine Gegenwart einen unaussprechlichen Frieden. Sie drängte mich in Richtung eines unvorstellbaren, wunderbaren Horizonts der Freiheit, der Liebe und des Impulses der in die Zukunft gerichtet ist – Eine neue Offenheit.

Jedes Mal wenn ich in dieser Zeit nach Israel zurückkehrte und zufällig etwas christliches erblickte fühlte ich in mir eine Stärke, eine frische Kraft die mich aus mir selbst heraus warf, heraus aus meiner kleinen, engen Welt und mich dazu brachte, alles mit neuen Augen zu sehen. All das faszinierte mich aber ich hatte sehr viel Angst. Um meine Schuldgefühle zu stillen habe ich mich darauf gestürzt, die Gebote noch genauer zu befolgen. Ich erlaubte mir selbst keine Schwäche, keine Milde,  keine Ruhepause. Aber je mehr ich mich auf diesen Weg einer Kämpferin einließ, umso mehr schien ich das Wesentliche zu verfehlen und um so mehr schien ich langsam dahinzusterben als ob ich erstickte. Es war ein Fehlschlag an allen Fronten. Hinzu kommt der Kampf gegen Vorurteile – die Vorbehalte und die Verachtung die wir, die Juden, oft gegen all das haben was nicht zu uns gehört, und vor allem auch gegen Christen: Für uns, wir müssen es zugeben, ist die Welt oft in zwei Teile geteilt: Auf der einen Seite die Juden (die Gerechten) und auf der anderen Seite die Gojim (die Nationen). Dennoch, trotz allem, arbeitete der Geist in mir ohne mir eine Atempause zu gönnen.

Schließlich, nach fast zwei Jahren inneren Ringens zwang mich ein eher banales Ereignis vorwärtszuschreiten: Am Ende eines Sabbats den ich mit meinen Vettern und einem jungen Chassiden, ihrem Freund, verbrachte, kam meine Mutter bevor ich schlafen ging zu mir und sagte: „Weißt Du, Myriam, wir kennen die Eltern von diesem jungen Mann, wir haben sie getroffen.” Ich bin ruhig geblieben und wartete darauf was kommen würde. „Sie sind sehr gute Menschen, sehr religiös, und er ist auch ein Cohen. Er hat mit uns gesprochen und dein Vater bat mich dir zu sagen, dass er bereit sei, dir seinen Segen zu geben. Ich erschrak. Ohne es zu begreifen dachte ich “Jesus!” und hab ihn zum ersten Mal in meinem Inneren beim Namen genannt – „wie könnte ich mein Leben ohne Dich leben? Wie könnte ich weit weg von Dir leben?“

Ich weiß nicht wie, aber von diesem Moment an wurde ich von dem Wunsch danach Jesus besser kennen zu lernen ergriffen. Ich wollte alles über ihn herausfinden. Jetzt war es für mich eine Frage über Leben und Tod geworden. Meine Eltern wussten immer noch nichts davon. Zuerst fing ich an, Bücher über Juden die konvertiert waren zu lesen. Wie meisterten sie den Schritt vom Judentum ins Christentum?  Nachdem ich ihre Bücher gelesen hatte wurde mir klar, dass sie mir nicht helfen konnten weil sie niemals wirklich das Judentum praktiziert hatten. Fast alle von ihnen waren Atheisten gewesen oder hatten ihre Jugend zusammen mit Christen verbracht. Ich begriff, dass ich ein Pionier auf diesem dornigen Weg war. Wenn ich ankommen wollte (Wo? wusste ich auch nicht, es schien mir dass ich „getragen“ wurde) musste ich mir meinen eigenen Weg bahnen. Falls ich dieses Band der Kontinuität die jeder Christ in Anspruch nimmt und jeder Jude leugnet begreifen wollte, musste ich alles vom Anfang an wieder aufsuchen. Ich musste 2000 Jahre zurückgehen, nach Israel, in die Zeit Christi. Ich wusste, dass diese Verbindung existierte, denn die Geschichte von Christus ist eine jüdische Geschichte und es hat immer Juden gegeben, einfältige oder gebildete, die IHN als den Messias erkannt und dafür ihr Leben riskiert hatten. Schritt für Schritt machte ich mich mit dem Leben Jesu und seiner Jünger vertraut, durch seine Worte, seine Taten und sein Denken. Ich versenkte mich in das Evangelium. Ich suchte im Internet. Ich studierte im neuen Testament und verglich es mit dem alten. Ich lass allerhand Bücher über Jesus und die Geschichte der frühen Kirche. Trotzt des Mangels systematischen Vorgehens fing ich allmählich an eine neue, faszinierende und erstaunliche Welt die mir bis dahin völlig unbekannt geblieben war zu entdecken.

Ja, Jesus war wirklich der Messias. Wahrhaftig hat er uns eine neue Thora gegeben, eine Welt des Friedens die man in einem selbst und nicht draußen findet (das wird auch noch kommen, glaube ich, aber nur bei seinem zweiten Kommen). Wirklich, er war der Sohn des Elohim von Avraham, Itshak und Yaakov. Alles war klar von den Propheten vorhergesagt worden! Er war der Messias und hatte eine neue Thora gebracht, wie unsere Lehrer uns gelehrt hatten, in Kontinuität mit der die wie schon hatten, aber die uns alle gleichzeitig übersteigt.

Ich war vor Freude benommen.

Meine Eltern glaubten, ich hätte mich in den jungen Cohen verliebt.  

Ich wusste, dass Jesus etwas von mir verlangte aber ich hatte noch nicht den Mut ihm zuzuhören, das Geländer loszulassen und mich auf ihn zu werfen. Ich studierte und forschte und schien nirgends zu anzukommen. Ich war in einer Sackgasse. Man sagt, dass die kleine Verbindung zwischen Kopf und Herz die längste von allen ist. Das ist wahr. Schließlich gab ich eines Tages müde und erschöpft auf und ging in eine Kirche. Es war die Zeit der Messfeier. Ich saß hinten, schloss meine Augen und sagte: " Jesus, nach all meinem Suchen verstehe ich gar nichts mehr. Du musst jetzt zu mir sprechen. Was möchtest Du, dass ich tue?"

In diesem Moment war es, dass ich Pater Michel traf.

Er war bereit die Messe zu zelebrieren und kam aus der Sakristei. Er kam auf mich zu und bat mich, die Lesung zu lesen. Völlig verschreckt antwortete ich dass ich nicht lesen könne, auf gar keinen Fall, ich sei jüdisch, chassidisch, nicht getauft, und das allererste Mal in einer Kirche. Ich sei auf der Suche aber könne nicht finden. Ich wollte Jesus kennen lernen und für ihn leben und seine Liebe für den Rest meines Lebens einsaugen, aber ich wusste nicht wie. Er schaute mich an, lächelte und fragte mich, ob ich nach der Messe auf ihn warten könne. Ich sagte einfach "ja" zu ihm. Zur gleichen Zeit fühlte ich mich ganz von der Liebe Jesu umgeben und dann habe ich die Entscheidung gefällt ein wahrer Jude zu werden und Jesus als den von den Propheten vorhergesagten und den vom Ewigen, gesegnet sei er, seit Anbeginn der Zeiten verheißenen Messias Israels anzuerkennen.

Regelmäßig begann ich ihn zu besuchen, wenn ich aus dem Büro kam. (Ich arbeitete als Computeringeneurin.) Mit viel Geduld, Freundlichkeit und Feingefühl half er mir mehr und mehr in den Geist des christlichen Glaubens, seine Lebensquelle und seine Gaben einzudringen. Er starb ein Jahr später, aber da war ich schon mehr oder weniger in die örtliche Dominikanergemeinschaft integriert.

Dennoch dauerte es drei Jahre bis ich die Taufe empfing und mich entschloss alles aufzugeben um dem Messias Israels als Dominikanerschwester zu folgen. Jahre voll Freude, "Schalom" und neuen Lebens folgten, außergewöhnliche neue Horizonte taten sich mir auf, aber auch Jahre der Wüste, der Stille und der Kälte; voller Fragen ohne Antwort: Warum ich? Warum nicht jemand der gebildeter, fähiger, intelligenter und mehr dies und das war? Ja, das ist weil eine Konversion nicht Fortschritt bedeutet sondern eine Umwandlung  ist. Es geht darum mehrere Male zu Sterben um auf den Gipfel zu gelangen. Unser Leben besteht aus Entscheidungen des Überganges (Pascha) die uns aus der Sklaverei befreien. Ich sah eine Parallele zu der chassidischen Lehre: diese Existenz dient der Vorbereitung des ewigen Sabbats, wo wir nur von dem leben werden, was wir hier unten durch unsere Taten und unser Gebet vorbereitet haben, so wie wir am Sabbat nur das essen, was wir am Freitag vorbereitet haben.

In der Tat, auf dem Weg meiner Konversion zögerte ich sehr viel: Die Angst fremden Göttern nachzulaufen war immer präsent, es gab tausende Dinge die ich nicht verstand, den Heiligen Geist, die Dreifaltigkeit, und all diese Rieten die mir blasphemisch erschienen, wie zum Beispiel die Prozessionen mit den Statuen. Und dann war da die ständige Suche nach Anhaltspunkten aus meiner jüdischen Tradition: Ich hab alles geprüft, und wenn ich keine Verbindung fand, fing ich an zu zweifeln. Dazu kam die Angst von meinen eigenen Leuten abgelehnt zu werden, meine Identität zu verlieren, nicht von den Katholiken anerkannt zu werden und als "anders" abgestempelt zu werden.

Über all dem lag  wie ein Mühlstein die Qual, dass ich die die ich liebe, meine Familie, verletzen würde.

Jedes mal wenn ich auf dem Weg müde war und anhielt, mit jedem Zweifel sagte ich immerfort zu mir selbst: OK, So gut für diesen Schritt, für diese Tränen...Ich nehme das auf mich denn ich muss bis ans Ende kommen, standhaft bleiben, bis zum letzten Tropfen trinken und den Berg bis zum Gipfel erklimmen.

Warum ich? Das war und bleibt unverständlich. Aber wenn ich meine Vergangenheit erneut überfliege und vor allem an diese Tage denke weiß ich, dass ich diesen Schritt nicht durch meine eigene Kraft gemacht habe; ich wurde durch seine Hand und seine unendliche Liebe gehalten. Er kämpfte für mich an meiner Stelle. In dem Moment als er mich bat mich zu entscheiden, mich zu erkennen zu geben und den Fluss Jabbok zu überschreiten (Gen 32:22), meine Familie aufzuklären und meine Leute war sein Ruf so stark und so unwiderstehlich, dass ich nur ja sagen konnte, hinneni! (hier bin ich!) Er sprach direkt in mein Herz hinein, er sagte, dass er an mich denkt um nicht durch den Schmerz am Kreuz verrückt zu werden. Er gab mir seine eigene Stärke; er befreite mich von der Schlinge des Todes. Jeden Tag erfüllt er mich mit seiner Zärtlichkeit wie nie zuvor in meinem Leben. Geduldig lehrt er mich mein Herz für andere zu öffnen, sie unbeschränkt willkommen zu heißen, denn nur da findet man wahre Freude. Ich wurde Christin um die Auferstehung, die uns schon hier und jetzt gegeben ist, im Gehorsam zu Jesus dem Messias Israels zu leben und auszustrahlen.

Der Weg in die Freiheit in Jesus und in seinem Leib, der Kirche ist immer noch weit, und obwohl ich weiß, dass ich nicht in meiner Vergangenheit steckenbleiben kann, bleibt die jüdische Kultur ein Teil von mir. Ich wurde in sie hineingeboren und bin darin aufgewachsen und es ist nicht immer einfach den Schlüssel für eine Integration zu finden. Manchmal habe ich immer noch Schwierigkeiten mit einigen Sakramenten der Kirche, mit dem Essen, mit Arbeit und Fortbewegung am Sabbat, und damit den Namen (Gottes), gesegnet sei Er, so wie die Christen es tun auszusprechen. Heilige Bildnisse stören mich immer noch (erst vor einigen Monaten war ich bereit ein kleines Bild von der Dreifaltigkeit zu besitzen.) Bei der Passionsfeier hab ich es immer noch nicht geschafft vor dem Kreuz zu knien, weil ich diese Geste immer noch als Idolatrie ansehe. Beim Anziehen beginne ich stets mit der rechten Seite; ich esse nie ohne vorher den Segen gesprochen zu haben und vorher meine Hände rituell gewaschen zu haben. Ohne die Unterstützung durch das Gesetz fühle ich mich manchmal orientierungslos und ich habe Angst, Fehler zu machen. Ich fühle mich immer noch unwohl wenn ich die jüdischen Fastentage (Yom Kippur, Esther) nicht einhalten kann  oder wenn ich die Paraschot (Thoraabschnitte) nicht jede Woche lese. Mir überkommt immer noch ein Schaudern wenn ich sehe wie die Torah wie jedes andere Buch behandelt wird und ich fühle immer noch ein tiefes Stechen wenn jemand die Juden angreift....und ich könnte weitermachen.

Seit ich in Frankreich bin hat der Ewige, gesegnet sei Er, in seiner großen Zärtlichkeit einen Menschen auf meinen Weg gebracht der mir mit großer Geduld, Feingefühl, Verständnis und Humor hilft forwärtszuschreiten, er lädt mich immer weiter ein ohne mich zu drängen, um mein jüdisches Sein in den christlichen Glauben hineinzufügen und mich durch Jesus formen zu lassen. Schritt für Schritt hilft er mir, die Schönheit und die Fülle meiner Identität zu entdecken und zur gleichen Zeit erfahre ich den Überfluss an Freude und die Tiefe dessen was aus dem christlichen Glauben kommt. Er begleitet mich und gemeinsam versuchen wir zu verstehen wie ich ein Christ sein kann ohne dabei meine jüdische Identität zu verleugnen oder sie aufzugeben sondern sie in ihrer Gänze zu entfalten. Manchmal denke ich, dass wir in kleinem Rahmen die ursprüngliche, primitive Kirche wo jüdische Katholiken und Katholiken aus den Nationen zusammen danach streben, durch Jesus "erfüllt" zu werden darstellen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass mich Jesus durch den christlichen Glauben darum bittet einen Schritt der Verantwortung und der persönlichen Freiheit zu machen der um ein Vielfaches dynamischer und wahrer ist als die skrupulöse Einhaltung der Mizvot und der Lehre des Rabbiners aber auch absolut mehr von einem verlangt. Ich ziehe diesen Weg tausendmal mehr vor, denn es ist ein Weg der Liebe, und die Liebe bringt dich direkt in die Tiefe deiner selbst, dahin wo Du Deine Wahrheit in ihm findest, wo du dich selbst und alle anderen mit seinen Augen sehen kannst, da wo Raum ist, der Makom, wo wir uns selbst mit der Shechina (Gottes Gegenwart) von Angesicht zu Angesicht begegnen. Die Thora ist ungefähr so etwas wie ein Lehrer. Sie kann einen nur bis an die Schwelle des Königreichs bringen, aber von dort aus kann man nachdem man die Wahrheit in ihm gefunden hat nur durch Jesus den Messias in den Palast hineintreten. Die Entscheidung uns für ihn aufzugeben unser Leben auf ihn zu setzen und uns leiten zu lassen ist die unsere. Er lädt uns ein aber er erlaubt uns frei zu bleiben.

Er erfüllt uns mit seiner Liebe und bittet uns es ihm gleich zu tun. Seine Liebe bedeutet auch zu wählen offen zu bleiben, sich verwunden zu lassen: für mich bedeutet das das Leiden um die Zerwürfnisse mit meiner Familie, die Nostalgie meines Volkes, den Schmerz sie immer noch außerhalb des wahren Lichtes des  verheißenen Landes, und immer noch in dem Gesetz eingefangen zu sehen. Nichtsdestoweniger ist die Wahl des Ewigen, gesegnet sei er, unwiderruflich. In seiner Barmherzigkeit wählte er Israel und seine Wahl ist ein kreativer Akt der Liebe um der Liebe willen, und deswegen bin ich überzeugt dass das jüdische Volk eines Tages entdecken wird dass Jesus der Messias ist, denn er ist die Liebe selber. Ich erfahre diese Liebe jeden Tag.

Und nun...warum bin ich ein "Katholik für Israel"? Weil ein Katholik für Israel die Söhne und Töchter Israels aufruft zum Fuß des Kreuzes zu treten und die Christen ruft zu gehen um sie dort zu treffen, so wie der Vater des verlorenen Sohnes. Ich denke hier wieder an die Stelle im Buch Dvarim (Deutoronomium): "Wähle das Leben!" Die Rabbiner erklären uns: Das Leben zu wählen bedeutet das Gesetz zu wählen. Für mich habe ich in Jesus und in seinem Leib, der katholischen Kirche entdeckt dass das Leben zu wählen einfach bedeutet offen zu sein, und uns zu erlauben durch einen anderen als uns selbst verwundet zu werden, und zu lieben so wie der Elohim Israels sein Volk geliebt hat, als er uns seinen eingeborenen Sohn, Jesus den Messias gegeben hat.