Das palästinensische “Kairos” Dokument: Eine Hintergrundanalyse

Kairos PalestineDas selbst so benannte “Kairos Palestina”-Dokument wurde am 11. Dezember 2009 der Öffentlichkeit in Bethlehem von einem Gremium, dem der ehemalige lateinische Patriarch Michel Sabbah vorstand, vorgestellt. Sehr schnell war es auf Arabisch und in mehreren europäischen Sprachen auf der eigens diesem Zweck gewidmeten Website www.kairospalestine.ps verfügbar. Das Sekretariat des ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) unterstütze seine Verbreitung, vor allem unter protestantischen Kirchen, sehr rasch. Dies war kein Zufall, denn das Sekretariat des ÖRK war im Rahmen seiner Bemühungen um die Förderung der politischen Ziele der Palästinenser stark in die Entstehungsgeschichte dieses Dokumentes eingebunden.

Wie wir sehen werden, soll das Dokument die Kirchen weltweit zur Unterstützung eines Plans mobilisieren, der Boykotts, Enteignungen und die Delegitimierung des Staates Israels vorsieht. Ausdrücklich wird auf ein Dokument ähnlichen Namens hingewiesen, welches vor Jahren in Südafrika veröffentlicht wurde. Auf diese Weise wird Israel absichtlich mit dem Apartheidregime verglichen. Das Dokument gebraucht extreme Sprache, wie zum Beispiel die Erklärung, „die militärische Besetzung unseres Landes ist eine Sünde gegen Gott und die Menschheit.“ Vor der Auseinandersetzung mit dem Inhalt sollte man die Glaubwürdigkeit des Dokumentes überprüfen. Es wurde von seinen Verfassern und dem Sekretariat des ÖKR als eine Erklärung von “palästinensischen, christlichen Leitern” angekündigt, welche die “Unterstützung der Kirchenoberhäupter der Kirchen von Jerusalem” hätte. Die Realität ist eine andere.

Die Glaubwürdigkeit

 Mit Ausnahme des arabisch lutherischen Bischofs Munib Younan haben die Kirchenoberhäupter bei der Entstehung des Dokuments keine Rolle gespielt. Einige von ihnen wurden sogar von seinem Erscheinen in der Öffentlichkeit überrascht. Allerdings wurden sie unter politischen Druck gesetzt, um der im Dokument vorgegebene Linie zu folgen. Vier Tage später erließen sie deshalb eine kurze, eigene Verlautbarung, deren Inhalt sich lohnt, hier ungekürzt wiedergegeben zu werden:

 “Wir, die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen in Jerusalem, hören den Schrei der Hoffnung den unsere Kinder in diesen schweren Zeiten geäußert haben. Wir unterstützen sie und stehen ihnen in ihrem Glauben, ihrer Hoffnung, ihrer Liebe und ihrer Vision für die Zukunft bei. Außerdem unterstützen wir den Aufruf an alle unsere Gläubigen, an die Vertreter Israels und Palästinas, an die internationale Gemeinschaft und an die Weltkirchen, die Bemühungen um Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung in diesem Heiligen Land zu beschleunigen. Wir bitten Gott, all unsere Kinder zu segnen und ihnen mehr Kraft zu geben um einen effektiven Beitrag zu leisten bei der Entwicklung und Errichtung ihrer Gesellschaft und dabei, diese zu einer Gesellschaft der Liebe, des Vertrauens, der Gerechtigkeit und des Friedens zu machen.“

Ganz klar ist dies alles andere als eine Befürwortung einer weltweiten Kampagne gegen den Staat Israel. Kein „Vergehen“ wird angesprochen und keine Schuld wird auf irgendjemand geworfen. Im Gegenteil, die Erklärung enthält Nichts, was Menschen guten Willens verletzen könnte. Einerseits ruft sie die politischen und religiösen Leiter dazu auf, ihren Einsatz zu verstärken um Frieden herzustellen. Andererseits drängt es die palästinensischen Christen dazu, ihre hiesigen christlichen Gemeinden aufzubauen. Tatsächlich kann die Verlautbarung als milde Zurechtweisung der Verfasser des Dokuments gelesen werden: Anstatt sich in einer weltweiten politischen Agitation zu verwickeln, sollten palästinensische Christen ihre Anstrengungen vor allem darauf konzentrieren, ihre eigenen Gemeinden zu stärken.

Dennoch haben sich die Drahtzieher der „Kairos Palästina“ entschlossen, sich diese Verlautbarung für ihre eigenen Zielsetzungen zu Nutzen zu machen. Auf der Website wurden diese Verlautbarung und ihr Dokument in einer einzigen PDF-Datei zusammengeführt. Die Verlautbarung der Kirchenoberhäupter befindet sich darin am Anfang, als sei es ein Vorspann, der die Meinung, die im Dokument vertreten wird, bestätigt. Ein unachtsamer Leser erkennt nicht, dass die Verlautbarung keine Befürwortung ist, sondern eher eine vorsichtige Reaktion, die versucht, die Energie der Gläubigen auf konstruktive Bemühungen um ihre Gemeinden zu lenken um zu verhindern, dass sie sich in eitlen politischen Selbstdarstellungen verliert.

 Das Dokument stellt also nicht die Position der Kirchenoberhäupter, sondern die seiner Autoren dar. Lassen Sie uns nun die Behauptung untersuchen, daß sie „palästinensische, christliche Leiter“ seien. Hierbei muss betont werden, daß die auf der kairospalestina Website dargestellte Urheberschaftsliste des Dokuments inzwischen geändert wurde. Ursprünglich erschien das Dokument auf der Website mit der folgenden Autorenliste:

 In der Zwischenzeit jedoch verschwand auf einmal der Name des Bischofs Younan von der Liste. Als einziges Kirchenoberhaupt unter den Autoren, welches gegenwärtig ein Amt innehat, ist dies bedeutungsvoll. Younan ist der Einzige der Unterzeichnenden, der wirklich für sich in Anspruch nehmen kann, ein „palästinensisch, christlicher Leiter“ zu sein. Das Dokument macht sich nicht die Mühe dem Leser mitzuteilen, daß Sabbah als lateinischer Patriarch zu Anfang des Jahres 2008 zurücktrat, und deshalb nur für sich selbst und nicht für das lateinische Patriarchat spricht. Der Fall des griechisch-orthodoxen Erzbischofs Atallah Hanna ist sogar noch heikler: Im Internet kann man herausfinden, dass er 2007 öffentlich für die Entziehung der offiziellen Anerkennung des griechischen Patriarchaten Theophilos III. eintrat. Als Folge davon wurde ihm für einige Monate das Gehalt vom griechischen Patriarchat gestrichen, nachdem dieser Bericht veröffentlicht wurde. Weit entfernt davon ein Oberhaupt zu sein, ist er vielmehr ein Gegner der christlichen Kirchenleitung.

 Die anderen Unterzeichnenden sind Gemeindepfarrer, niedrige Angestellte und Laien. Gewiß, einige unter ihnen sind seit langem als Agitatoren für die politischen Ziele der Palästinenser gut bekannt. Ihre mittlerweile altbekannten Meinungen lassen sich leicht im Dokument wiedererkennen. Neu hinzugekommen ist Yusuf Daher, für den das Sekretariat des ÖKR ein Büro in Jerusalem eingerichtet hat, um christliche Unterstützung für die Palästinenser anzuwerben. Das Dokument, so wie es jetzt auf der kairospalestina Website zu finden ist, hat keine bona fide christliche Oberhäupter unter seinen Autoren.

Warum verschwand der Name Younans wieder? Ganz einfach, er hat darum gebeten, daß er entfernt würde, um dadurch nicht in Verlegenheit zu geraten. Younan ist ein genauso eifriger Befürworter der palästinensischen politischen Ziele wie all die anderen, aber es ist ihm genauso wichtig, mit den jüdischen religiösen Leitern und den Vertretern Israels gut auszukommen. Er will diese Beziehungen nicht in Gefahr bringen. Es wird berichtet, daß er jetzt jedem der ihn darauf anspricht versichert, daß er sich nur zu der Verlautbarung der Kirchenoberhäupter bekennt, unter denen sein Name am Ende der Liste zu finden ist. Ursprünglich Autor des Dokuments ist Younan nun zu einem Zeugen geworden, der der Behauptung wiederspricht, daß die Kirchenoberhäupter es befürworteten.

Der Inhalt

Das Dokument wird in nummerierte Absätze und Abschnitte unterteilt. Es ist nicht notwendig, hier ganz ins Detail zu gehen, denn in jedem Kapitel kann man in ein oder zwei Sätzen die zugrundeliegende Absicht herauslesen. Die Kernworte des ersten Teils, “Die Realität,” lauten (1.4):

“Ja, es gibt palästinensischen Widerstand gegen die Besetzung. Wenn es jedoch keine Besetzung gäbe, gäbe es auch keinen Widerstand, keine Angst und keine Unsicherheit. Das ist unsere Sicht der Dinge. Wir appellieren an die Israelis, die Besetzung zu beenden. Sie werden dann eine neue Welt ohne Angst und Bedrohung entdecken, in der Sicherheit, Gerechtigkeit und Frieden herrschen.“

Dies gibt genau die Linie wieder, die Michel Sabbah über viele Jahre vertreten hat: Beendet die Besetzung und der palästinensische Terrorismus, euphemistisch als “Widerstand” bezeichnet, wird für immer verschwinden. Die Autoren wissen, daß dies eine Lüge ist. Sie wissen genau, daß Organisationen wie die Hamas sich geschworen haben diesen „Widerstand“ beizubehalten, so lange wie der Staat Israel existiert. Später im Dokument wird dieselbe, falsche Botschaft nochmal wiederholt (4.3); bemerkenswert ist, wie der „Terrorismus“ in Anführungszeichen aufgeführt wird, wenn er als solcher überhaupt Erwähnung findet:

“Wir appellieren an Israel, von seinem Unrecht gegen uns abzulassen und die Realität der Besetzung nicht länger unter dem Vorwand zu verfälschen, es sei ein Kampf gegen den Terrorismus. Die Wurzeln des "Terrorismus" liegen in dem menschlichen Unrecht, das uns angetan wird, und in dem Übel der Besetzung. Beides muss aufhören, wenn die ehrliche Absicht besteht, den "Terrorismus" zu beseitigen.“

Aber der Großteil des Dokuments gibt nicht Sabbah, sondern das bekannte Beharren Naim Ateeks auf “Gerechtigkeit und nur Gerechtigkeit”, d.h. die bedingungslose Erfüllung aller palästinensischen Forderungen wieder. Dies taucht schon im zweiten Teil mit dem Titel “Ein Wort des Glaubens“ und dem Untertitel: “ Wir glauben an Gott, an einen gütigen und gerechten Gott“ auf. Dieser Abschnitt hat zwei Schwerpunkte. Einer beinhaltet, daß „biblischer Fundamentalismus“ d.h. jegliche von Christen gehegte Sympathie gegenüber Israel für illegitim erklärt werden muss (siehe 2.2.2 und 2.3.3). Der zweite Schwerpunkt lautet (2.5):  

“Wir erklären ferner, dass die israelische Besetzung palästinensischen Landes Sünde gegen Gott und die Menschen ist, weil sie die Palästinenser ihrer grundlegenden Menschenrechte, die ihnen von Gott verliehen worden sind, beraubt. Sie entstellt das Ebenbild Gottes in dem Israeli, der zum Besatzer geworden ist, und sie entstellt das Ebenbild Gottes in dem Palästinenser, der unter der Besetzung leben muss. Wir erklären, dass jede Theologie, die die Besetzung rechtfertigt und dabei vorgibt, sich auf die Bibel oder auf Glauben oder Geschichte zu stützen, von der christlichen Lehre entfernt ist, weil sie im Namen des Allmächtigen Gottes zu Gewalt und zum heiligen Krieg aufruft und Gott temporären menschlichen Interessen unterordnet; damit entstellt sie das Antlitz Gottes in den Menschen, die unter politischem und theologischem Unrecht leben müssen.”

Natürlich wissen die Autoren, dass die meisten Israelis keine Anhänger einer solchen Theologie sind, dass aber die politische Theologie der Hamas in der Tat im Namen Gottes des allmächtigen (oder zumindest im Namen Allahs) „zu Gewalt und zum heiligen Krieg aufruft“. Aber die Täuschung geht noch darüber hinaus: Ateeks Organisation Sabeel propagiert weltweit die Position, die „zwei-Staaten Lösung“ sei nicht tragbar und „Gerechtigkeit“ könne nur erreicht werden, wenn der Staat Israel sich in einen einzigen, bi-nationalen Staat mit arabischer Mehrheit auflöse. Wie wir in Kürze sehen werden, ist diese Botschaft implizit auch in einem Dokument enthalten, welches sich äußerlich so darstellt, als respektiere es die legitimen Hoffnungen von Juden und Arabern gleichermaßen.

Der dritte und der vierte Abschnitt tragen den Titel “Hoffnung” und “Liebe”. Ersterer führt auf, an welchen Stellen die Autoren glauben, Unterstützung von Kirchen, der internationalen Gemeinschaft, Israelis und Juden mobilisieren zu können. Letzterer ist darüber, wie man Israel bekämpfen kann, entweder durch sogenannten „Widerstand“ oder indem man „einzelne, Gesellschaften und Staaten [aufruft] sich für den Rückzug vonInvestitionen und für Boykottmaßnahmen der Wirtschaft und des Handels gegen alle von der Besatzung hergestellten Güter einzusetzen.“

Das Trio aus “Glaube, Hoffnung und Liebe” ist eine beabsichtigte Anspielung auf eine berühmte Passage bei Paulus (1 Kor. 13). Die Verzerrung der Vorstellung des Paulus für die politischen Ziele der Palästinenser erinnert an George Orwells 1984, bei dem das Ministerium für Frieden permanent Krieg führt, das Ministerium für Liebe einen Polizeistaat betreibt und das Ministerium der Wahrheit Propaganda verbreitet.

Die übrigen Abschnitte wenden sich an verschiedene, Adressaten, welche direkt benannt werden. Ihrem „Wort an unsere Brüder und Schwestern” (vor allem palästinensische Christen, Abschnitt 5) folgt ihr „Wort an die Kirchen der Welt” (Abschnitt 6). Hier wird eine „Botschaft der Solidarität“ mit ihren christlichen Unterstützern verkündet. Ein Aufruf zur Buße wendet sich an „fundamentalistische biblische Positionen.“ In anderen Worten, gute Christen sind solche, die die politischen Ziele der Palästinenser bedingungslos unterstützen, während schlechte Christen diejenigen sind, die mit Israel sympathisieren.

Danach (Abschnitt 7) richten die Autoren ihr “Wort an die internationale Gemeinschaft“. Es ist ein Aufruf „endlich ein System wirtschaftlicher Sanktionen und Boykottmaßnahmen gegen Israel einzuleiten.“ Es fällt auf, daß dies nicht länger nur ein “Boykott von allem was in der Besatzung produziert wird” (wie in Abschnitt 2), sondern ein Boykott von Israel an sich sein soll.

Nach dem Wort  „an die jüdische und an die muslimische religiöse Führung” (Abschnitt 8) kommt “ein Appell an unser palästinensisches Volk und an die Israelis” (Abschnitt 9). Hier wendet man sich “an die Weltgemeinschaft, diesen Einigungsprozess zu unterstützen und den in Freiheit ausgedrückten Willen des palästinensischen Volkes zu respektieren” (9.4), das heißt, die international Gemeinschaft sollte ihre wohlbekannten drei Vorrausetzungen für die Aufnahmen von Verhandlungen mit der gewählten Hamas Regierung fallenlassen. Noch eindeutiger ist Folgendes (9.3):

“Der Versuch, den Staat zu einem religiösen - jüdischen oder islamischen – Staat zu machen, nimmt ihm seine Bewegungsfreiheit, zwängt ihn in enge Grenzen und verwandelt ihn in einen Staat, der Diskriminierung und Ausgrenzung praktiziert und die einen Bürgerinnen und Bürger gegenüber den anderen privilegiert. Wir appellieren an beide, die religiösen Juden und die religiösen Muslime: Macht den Staat zu einem Staat für alle seine Bürger und Bürgerinnen, der auf der Achtung der Religion, aber auch der Gleichberechtigung, der Gerechtigkeit, der Freiheit sowie der Respektierung des Pluralismus gegründet ist, und nicht auf der Herrschaft einer Religion oder einer zahlenmäßigen Mehrheit.“

Der naive Leser wird nicht bemerken, was ein aufmerksameres Lesen offenbart: Die Autoren wollen einen einzigen Staat sehen, der Muslime, Juden und Christen gleichermaßen mit einbezieht. In der Tat kommt der Begriff „zwei Staaten“ nirgendwo im Dokument vor. Genauso wird der Begriff „Besatzung“ frei verwendet, ohne klar zu definieren, welche Gebiete als „besetzt“ angesehen werden. So vermittelt das Dokument verschiedene Botschaften an verschiedene Leserschaften. Gutwillige, unachtsame Sympathisanten können sich vorstellen, daß die Autoren „zwei Staaten für zwei Völker“ vertreten. Insider können sich aber sicher sein, daß das endgültige Ziel das alte Ziel eines vereinten und einheitlichen Palästinas ist. Der abschließende Satz des Dokuments (Abschnitt 10) erlaubt dieselbe Doppelinterpretation:

“Obwohl es keine Hoffnung gibt, schreien wir unsere Hoffnung heraus. Wir glauben an Gott, an den gütigen und gerechten Gott. Wir glauben, dass am Ende Seine Güte den Sieg über das Böse des Hasses und des Todes davontragen wird, die noch immer in unserem Land herrschen. Wir werden hier "ein neues Land" und "einen neuen Menschen" entdecken, der imstande ist, sich im Geiste der Liebe zu allen seinen Brüdern und Schwestern zu erheben.“

 Der Leser beachte, wie das Dokument auf die Flüchtlingsfrage von 1948 und ihre Millionen Nachkommen eingeht (1.1.6):

 “Auch die Flüchtlinge gehören zu unserer Realität. Die meisten von ihnen leben immer noch unter unmenschlichen Bedingungen in Lagern. Und obwohl sie das Recht auf Heimkehr haben, warten sie seit Generationen auf ihre Rückkehr. Was soll aus ihnen werden?“

 Die Frage am Ende des Absatzes ist ein weiteres Mittel um die Abschreckung potenzieller Sympathisanten zu vermeiden. Wenn man sie weglässt, wird die Intention der Autoren deutlich: Diese Millionen müssen in ihren Lagern warten, bis sie in Massen nach Israel hineinströmen und dort eine arabische Mehrheit schaffen können.

 Die Ziele

 Was auch immer die letzten Bestrebungen der Autoren seien mögen, die direkten Ziele sind zwei:

Diese Ziele hängen eng miteinander zusammen. Die Regierungen der Welt stimmen der Behauptung des Dokumentes zu, daß eine halbe Million Juden illegal auf palästinensischem Gebiet lebt, darunter die Hälfte der jüdischen Bevölkerung von Jerusalem. Wenn diese Regierungen bisher noch keinen Druck ausüben um einen totalen Rückzug herbeizuführen, so nur aus pragmatischen Gründen: Ein gerechter Austausch von Land scheint eine weniger störende und um Vieles weniger kostenaufwendige Lösung zu sein, als die Entwurzelung dieser ganzen Bevölkerung. Nur gewisse christliche Gruppen begründen die jüdische Präsenz in diesen Gebieten aufgrund von ideologischen Vorstellungen und nicht einfach nur aus politischer Zweckmäßigkeit.

Hinzu kommt, daß diese Christen besonders in den USA, aber nicht nur dort, die öffentliche Meinung und die politischen Entscheidungen beeinflussen. Sollten diese plötzlich fallen, kann man sich die Gewalt  einer einstimmigen Mauer der Feindschaft gegenüber Israel vorstellen.

Der gegenwärtige israelische Premierminister weiß dies so gut wie jeder andere. Wir haben ihm zugehört, als er bei einem Treffen in der Knesset seine detaillierte Kenntnis davon ausbreitete, wie der Staat Israel in den letzten zweihundert Jahren durch die Allianz von Christen und Juden entstanden ist. Um so bedauernswerter ist es, daß es Andere in Machtpositionen in Israel gibt, deren Handeln darauf ausgerichtet zu sein scheint, Israel seinen einzigen historischen Verbündeten abspenstig zu machen.

Malcolm Lowe ist Bibelforscher und lebt in Jerusalem.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im New English Review veröffentlicht: